Schlossgraben Darmstadt
7 Uhr bis Einbruch der Dunkelheit
Dort, wo heute der Schlossgarten zum Verweilen einlädt, sicherte einst ein Wassergraben das großherzogliche Schloss. Da er im 19. Jahrhundert militärisch nutzlos geworden war und besonders im Sommer unangenehme Gerüche verbreitete, schlug der Baurat Johannes Heß 1814 eine visionäre Umnutzung vor: die Trockenlegung und Umgestaltung zum Botanischen Garten. Bereits zehn Jahre später beherbergte das Areal fast 2.000 Pflanzenarten – der Grundstein für den heutigen Botanischen Garten der TU Darmstadt.
In den letzten Jahren hat die TU Darmstadt die Parkanlage behutsam neugestaltet und dabei den wertvollen alten Baumbestand integriert. Ein historischer Bereich lässt die Tradition des klassischen Landschaftsgartens aufleben: Ein spezielles Beet präsentiert Pflanzen aus dem „Elenchus Plantarum“, die schon vor Jahrhunderten hier kultiviert wurden. Eine Darmstädter Besonderheit ist die Heckenkirschen-Hybride Lonicera x purpusii, benannt nach dem ehemaligen Garteninspektor Joseph Anton Purpus.
Der westliche Teil des Gartens widmet sich seit 2017 ganz der Biodiversität. Naturbelassene Wiesen und ein Teich dienen als Rückzugsort für zahlreiche Insekten und seltene Pflanzenarten. Während der Blütezeit herrscht hier reges Treiben an den schlosseigenen Bienenstöcken. Bei der Auswahl neuer Gewächse, wie dem amerikanischen Geweihbaum, wurde gezielt auf Klimaresilienz geachtet. Ein Teich im Westteil schlägt zudem die Brücke zur Vergangenheit: Er lässt erahnen, wie sich einst die Schlossmauern im Wasser spiegelten.
Nach Abschluss der Sanierung des Residenzschlosses wird eine Streuobstwiese im Süden den grünen Ring schließen und den Rundgang vollenden. Moderne Skulpturen verschiedener Künstler setzen im gesamten Garten zusätzliche Akzente.