Keltenfürst

Der Keltenfürst vom Glauberg

Hessisches Landesmuseum Darmstadt, 6. Oktober 2005 bis Oktober 2006

Außergewöhnlich reiche Grabausstattungen aus der Zeit der Kelten, die man mit fürstlichen Inventaren des Mittelrheingebiets, des Saar-Pfalz-Gebiets oder Südwestdeutschlands vergleichen könnte, hatte man in Hessen bis in die jüngste Vergangenheit hinein nicht gefunden. Zwar kannte man vereinzelte Hinweise auf möglicherweise prunkvoll ausgestattete Gräber, doch blieben diese Indizien aufgrund fehlender Fundbeobachtungen fragwürdig. Erst am Glauberg kamen auch in Hessen prunkvolle Grabausstattungen zutage, die man als Fürstengräber zu bezeichnen pflegt.

Goldene OhrringeUnter einem nicht mehr vorhandenen, ehemals mächtigen Grabhügel wurden zwei Gräber geborgen, deren außerordentlich reiche Beigaben die Beigesetzten als "Große" ihrer Zeit auswiesen. Gemäß der Sitte ihrer Zeit hatte man ihnen die Insignien ihres Ranges, die einstmals für alle sichtbaren Symbole ihrer Macht mitgegeben, wobei die Beigaben aus Grab 1 diejenigen aus Grab 2 an Menge und Qualität noch deutlich übertrafen. Der Goldschmuck aus Grab 1, darunter der einzigartige Halsring, weist seinen ehemaligen Träger als den Herrscher, den "Fürsten vom Glauberg" aus. Ihre Bestätigung findet diese Interpretation in der lebensgroßen Steinfigur, die in unmittelbarer Nähe des Grabes gefunden wurde.

Am 24. Juni 1996 war die Sensation am Fuße des Glaubergs perfekt. Neben dem großen Grabhügel fand man in einem Graben eine vollplastische und bis auf die Füße vollständig erhaltene Statue. Sie ist das detailreichste Abbild eines keltischen Fürsten aus dem 5. Jahrhundert v. Chr., das wir kennen. Dargestellt ist ein voll gerüsteter keltischer Krieger, bekleidet mit einem Panzer, bewaffnet mit einem Schwert und einem Schild.

Philis und MikeDer "steinerne Fürst" trägt als Schmuck und sichtbares Zeichen seines Rangs einen Halsring, der demjenigen des in Grab 1 bestatteten Mannes entspricht. Auch der übrige Schmuck des "steinernen Fürsten", der goldene Armring und der goldene Fingerring, begegnen uns als Beigaben in seinem Grab. Für sich betrachtet stellt die Sandsteinfigur schon eine Sensation dar. Doch sie steht nicht allein. Zahlreiche Fragmente von mindestens drei weiteren, fast identischen Figuren wurden ebenfalls am Glauberg geborgen.

Die Ausstellung wird begleitet durch ein umfangreiches Rahmenprogramm, zu dem zahlreiche spezielle Workshops für Schüler gehören: Schmuck, Skulpturen, Textilien, Ornamente und Metallarbeiten können nach den keltischen Techniken hergestellt werden.

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