Überhaupt. Günther Kieser

Überhaupt. Günther Kieser

Grafik Plakat Plastik. Ausstellung Klingspor-Museum, Offenbach, bis 29. August 2010

Köpfe ziehen sich als ein Grundmotiv durch das Werk des international renommierten Plakatgestalters Günther Kieser. Seit Jahrzehnten gibt Günther Kieser der Musik, vornehmlich dem Jazz, ein Gesicht im wahrsten Sinne des Wortes mit Plakaten beispielsweise für Count Basie, Oscar Peterson oder Dave Brubeck. Bislang gar nicht bekannt ist Kiesers plastisches Werk, das im Fokus dieser Ausstellung steht und erstmals neben dem Gestalter den Bildenden Künstler zum Vorschein bringt, eine Entdeckung.

Weit verbreitet sind Wissen und Sympathiebekundungen zum Plakatwerk von Günther Kieser. Ausstellungen an vielen Orten, zuletzt in Essen, Bern und in Frankfurt am Main haben die Welt des Jazz und der Musik in anderen bereichen als das Zentrum des Lebens und der Arbeit des Gestalters sichtbar gemacht, sofern das noch nötig gewesen wäre angesichts der dichten Präsenz, die seine Aufsehen erregenden Bildkompositionen auf den Plakatsäulen der Städte, zumal der Zentren des Jazzkonzerts in Frankfurt und Berlin, über Jahrzehnte hinweg gefunden haben. In Frankfurt kommen die zahlreichen Produktionen des Hessischen Rundfunks und anderer Kultureinrichtungen hinzu. Günther Kieser hat das Kulturleben dieser Stadt über Jahrzehnte hinweg mit seinen Bildankündigungen geprägt.

Überhaupt. Günther KieserDer Kopf, und immer wieder der Kopf. Er ist die Hauptsache, ungeachtet großartiger Instrumenten-Figuren und anderer Sujets, in dem Kieser seine Begegnungen mit einem Thema kulminieren lässt. Was ihm im Kopf umhergeht, seine Sicht auf Menschen, die Musik komponieren oder spielen, Menschen, die in Theater oder Oper geschildert werden – immer wieder fließt es in Darstellungen ein, die Kopf und Gesicht zu ihrer Trägerfigur machen.

Überblickt man Ikonen seines Plakatschaffens – zu Oscar Peterson, Ella Fitzgerald, Jimi Hendrix, zum Faust und schließlich zu vier Opern (Don Giovanni, Der Freischütz, La Bohème und Carmen) – wird exemplarisch, wie weit sich das Repertoire des inszenierenden Ausdeutens von Charakteren spannt.

Überhaupt. Günther KieserGeradezu folgerichtig erfahren wir nun – und das gibt die Ausstellung „überhaupt“ erstmals frei – dass der Plakatmacher seit langen Jahren – in einer Person – als Tastender an der anderen Art, der des ganz und nur sich selbst nachspürenden Künstlers, verhaftet ist. Dieser Seite der Person ist es wichtig, sich anderer Handlungsräume zu vergewissern, als sie dem Auftrag gebundenen Designer zukommen. So sehr dieser das persönliche, das Individuum und seine Lesart der Dinge vorträgt, so unbedingter ist es dem im Selbst begründeten Arbeitenden gegeben, die Facetten offen zu legen, die seine Lebenssicht, ja mehr noch: sein Selbst-Bild bestimmen.

Alle Köpfe erzählen eine eigene Geschichte, sind indes immer neue Begebenheit desselben Mannes, der liebt, der träumt, der Gewalt erfährt oder auch säht, der sich verstrickt, der sich selbst an den Ohren herauskommt. Schnell wird klar, die unterschiedlichen Begebenheiten sind bei aller Eigenheit doch alle verankert in ein und derselben Person – der ihres Erfinders, der sie geformt hat und darüber hinaus in Texten ausschmückt.

Die Ausstellung wird von einem limitierten Leporello mit Darstellungen der Plastiken und einem Faltblatt begleitet.

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