Lithophanien: Lesende

Lithophanien

Als die Bilder zu leuchten begannen. Ausstellung Historisches Museum Hanau Schloss Philippsruhe, bis 10. Januar 2010

Die Welt des Biedermeier im Porzellanbild, das könnte ein weiterer Untertitel dieser Schau sein. Wolfgang von Massow, privater Sammler künstlerisch hochwertiger Lithophanien, stellt über 300 kostbare Porzellanbilder aus seiner Privatsammlung im Schloss Philippsruhe aus. Die Lithophanien kann man in Fensterbildern, Stövchen, Lampen, Bierkrügen, etc. bewundern. Diese Sammlung wird zum ersten Mal ausgestellt. Der Sammler entdeckte seine Liebe zur antiken Kunst und Lithophanien als 10jähriger Junge, als er von seiner Urgroßmutter zum Geburtstag drei Lithophanien geschenkt bekam. Zu der damaligen Zeit wohnte er mit seiner Familie in Berlin. Als Erwachsener verfolgte er seine Lithophanie Leidenschaft, in dem er auf europäischen Flohmärkten und Auktionen seine kleine Sammlung erweiterte.

Lithophanien: Ohne LichtIn einer Wachsschicht von ca. 5mm wird mit feinem Werkzeug das Bild auf einer Glasplatte gestochen. Wo das Wachs bis auf eine hauchdünne Schicht abgetragen ist, entstehen die hellen Stellen, wo es aber erhalten bleibt, die dunkleren Stellen des Bildes. Dies konnte je nach Motiv Tage oder Monate dauern. Die fertige Wachsmatrize wurde dann mit flüssigem Gips überzogen. Dadurch entstand die Form, von der Abgüsse aus Porzellanmischung, die eigentliche Lithophanie, gewonnen wurden. Man konnte aus einer Wachsform eine Auflage von maximal 15 Lithophanien herstellen. Nach der Trockenzeit wurde das Material bei ca. 1.380°C gebrannt. Durch die unterschiedliche Lichtdurchlässigkeit und die entstehenden Schattierungen erscheint die Lithophanie dem Betrachter plastisch und beweglich. Sie vermittelt den Eindruck von Diapositiven.

LithophanienAls Vorlagen dienten meistens Motive von bekannten und berühmten Bildern alter Meister (z.B. Raffael, Leonardo da Vinci, verabeitet von Begas, Meyer v. Bremen u.a.) sowie Jagd, Kinder, Theater, bekannte Persönlichkeiten – biblische und auch städtische Darstellungen. Jedes Bild erhielt auf der Rückseite eine Nummer und die Herstellerbezeichnung (z.B. Meißen, KPM, Plaue).

Ob die Wurzeln der Lithophanie in Frankreich oder in Berlin liegen, wird wohl nicht mehr aufzuklären sein. Der Diplomat Charles-Paul Amabele de Bourgoing hat sein Patent 1827 in Paris angemeldet, aber auch Georg Friedrich Frick, Direktor der Königlichen Porzellanmanufaktur Berlin (KPM), war mit der Erfindung eng verbunden.

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