Vom Kreuzzug zur Kaiserherberge
700 Jahre Deutschordenskirche in Frankfurt. Ausstellung Ikonen-Museum
Frankfurt, bis 17. Januar 2010
Frankfurt Sachsenhausen ist ohne den Deutschen Orden nicht zu denken. Der
Komplex mit gotischer Kirche und barocker Kommende fällt sofort ins
Auge, wenn man von Frankfurt über die alte Brücke kommt. Schon
die Ersterwähnung Sachsenhausens 1193 ist mit dem an dieser Stelle begründeten
Hospital verbunden. Die gotische Kirche feiert in diesem Jahr ihren 700.Geburtstag,
denn am 29. September 1309 wurde die Ordenskirche des "Deutschen Hauses
zu Ehren der seligen Jungfrau" vom Mainzer Erzbischof Peter von Aspelt
geweiht.
Die Anfänge liegen jedoch schon weiter zurück. Der Deutsche Orden,
dessen Mitglieder sich nach einem ehemaligen deutschen Spital in Jerusalem
"Brüder
vom Deutschen Haus Sankt Mariens in Jerusalem" nannten, wurde 1190
in Akkon gegründet. Zunächst als Spitalbruderschaft und seit 1198
auch als ritterliche Kampfgemeinschaft zum Schutz der Pilger im Heiligen
Land. Nach Johannitern und Templern war der Deutsche Orden der dritte der
großen geistlichen Ritterorden der Kreuzzugszeit.
Im
Rahmen seiner Kreuzzugvorbereitung schenkte Kaiser Friedrich II. 1219 nicht
nur den Bauplatz für eine Jerusalem- und Santiago-Pilgerkirche (heute
St. Leonhard), er sorgte auch dafür, dass 1221 der zuerst im Heiligen
Land aktive Ritterorden, direkt an der "Hauptverkehrsstrasse" eine
seiner wichtigsten Niederlassungen erhielt.
Der für den Dienst an Armen und Kranken und dem Glaubenskampf bestimmte
Deutsche Orden, blieb in Frankfurt durchaus dem alten Auftrag des Heilens
und Helfens treu. Er unterhielt hier nicht nur ein eigenes Hospital, sondern
versorgte auch Jakobspilger in der Innenstadt im Compostell.
Durch
reiche Zuwendungen war er auch in der Lage, hochgestellte Gäste zu beherbergen.
Eines der wichtigsten historischen Dokumente des 14. Jahrhunderts, die "Sachsenhäuser
Appellation", ist so während des Aufenthalts von Kaiser Ludwig
dem IV. an diesem Ort entstanden.
Dem Komtur Walter von Cronberg (1525 – 1543) war die Rettung der Kommende
und des Deutschen Ordens vor dem Untergang im 16. Jahrhundert zu verdanken.
Vom Kaiser erhielt er 1527 die Berechtigung, sich "Administrator des
Hochmeistertums" zu nennen und damit den Besitzanspruch auf Preußen
aufrechtzuerhalten. Aus dieser Bezeichnung entstand später der Kurztitel
"Hoch- und Deutschmeister". Auf dem Frankfurter Generalkapitel
1529 wurde die "Cronbergsche Konstitution" erlassen, das zukünftige
Verfassungsgesetz der Adelskorporation.
Zu den herausragenden Ereignissen zählte vor allem die Nutzung der
Kommende als Niederlassung der deutschen Kaiser und Könige, während
ihrer Krönungen in Frankfurt. So sorgte dann auch der Wittelsbacher Clemens
August von Köln, durch
die Wahl seines Bruders Karl.dem VII., wieder für kaiserlichen Glanz
"Dribbderbach". Nachdem er am 25. Januar einstimmig zum Kaiser gewählt
wurde, reiste er über Dresden und München nach Frankfurt und bezog
Quartier in der Kommende bis zur prunkvollen Kaiserkrönung am 12. Februar
1742 durch seinen Bruder Clemens August.
Die Ausstellung lädt dazu ein, das historische Frankfurt neu zu entdecken
und erzählt Geschichten von der "welthistorischen" Bedeutung
Sachsenhausens. Im Mittelpunkt steht die gotische Kirche und die barocke
Kommende, ein Gebäudekomplex, der über Jahrhunderte hindurch unterschiedliche
Schicksale erfuhr. Die Kirche birgt zahlreiche Kulturschätze wie eine
Marienstatue aus dem 14. Jahrhundert und ein Reliquiar mit einem Kreuzpartikel.
Dokumente, kirchliche Kunst, Goldschmiedewerke und kirchliche Gewänder
werden die Ordens- und Kaisergeschichte dieses Ortes wiederaufleben lassen.
Die Ausstellung und die Jubiläumsfeierlichkeiten stehen unter der Doppel-Schirmherrschaft
der Oberbürgermeisterin der Stadt Frankfurt, Petra Roth und des Hochmeisters
des Deutschen Ordens, Abt Dr. Bruno Platter. Zur Ausstellung ist ein Katalog
in deutscher und englischer Sprache erschienen.
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Ikonen-Museum Frankfurt