m8 in China
Zeitgenössische chinesische Architektur. Ausstellung Deutsches Architekturmuseum,
Frankfurt, bis 1. November 2009
Der chinesische Architekturmarkt zählt zu den dynamischsten der Welt:
Allein 41 "supertall towers" (Definition: über 300 Meter
Höhe) sind derzeitig in der Volksrepublik im Bau. Und doch ist private
Architekturpraxis vergleichsweise neu in China – erst seit 1994 ist
die Gründung privater Architekturbüros erlaubt. Noch in den neunziger
Jahren landeten ausländische Architekten auf der Suche nach einem Joint-Venture-Partner
bei einem der über 10.000 staatlichen Designinstitute mit ihren jeweils über
1.500 Mitarbeitern.
Die
Ausstellung "m8 in China" widmet sich den kleinen, flexibel agierenden
Büros, deren Mitglieder zum großen Teil im westlichen Ausland
studiert haben, sich in Wettbewerben behaupten, internationale Netzwerke
pflegen und damit auch das eigentliche Entwicklungslabor der zeitgenössischen
chinesischen Architektur darstellen. Unter dem Schirm des Gastlandes China
der Internationalen Buchmesse 2009 und dessen Motto "Tradition und
Innovation" werden neue Tendenzen in der aktuellen chinesischen Architektur
aufgespürt.
Bei
den meisten vorgestellten Arbeiten handelt es sich um relativ kleine öffentliche
Gebäude, die den Architekten beim Entwerfen und Gestalten sehr viele
Freiheiten ließen. Öffentliche Gebäude unterliegen nicht
den gleichen Auflagen und Einschränkungen wie der Wohnungsbau, der an
strikte Vorschriften zu Belichtung, Funktion etc. gebunden ist. Während
einige Projekte in urbanen Geschäftszentren liegen, befinden sich andere
am Stadtrand oder in speziellen kulturellen oder universitären Bezirken.
Gerade diese Projekte waren weniger den kommerziellen Interessen unterworfen,
sondern boten mehr kreativen Freiraum.
Der USA-Bezug dieser nächsten Architektengeneration ist erkennbar groß,
immerhin haben die Hälfte der Inhaber der acht ausgewählten Büros
in den USA studiert und halten enge Kontakte zu ihren Kommilitonen. Die Anfang
der 1980er Jahre studierenden Architekten, wie LIU Jiakun, TONG Ming und
WANG Shu konnten das Land noch nicht für ihr Studium verlassen. Heute
ist ein Auslandsaufenthalt für die erfolgreichen jungen Architekten
fast unumgänglich. Aus diesen Erfahrungen entstehen oft Büros mit
Partnern aus verschiedenen Ländern, die dann sowohl in China als auch
im Ausland registriert sind. Während die lokal ausgebildeten Architekten
vor allem mit den verfügbaren Möglichkeiten nach Lösungen
suchen, ist bei den Rückkehrern ein konzeptioneller und formaler Ansatz
erkennbar, der deutlich vom internationalen Diskurs beeinflusst ist.
In China geben die großen Designinstitute immer noch den Ton an. Alle
hier ausgewählten Architekten und Büros agieren jedoch unabhängig.
Ihre Arbeiten sind nicht die der Institute. Denn sie können sich mit
ihrer Hinwendung zur regionalen Typologie, zur Einzigartigkeit des ortsspezifischen
Kontexts und mit der Wiederentdeckung
der traditionellen Handwerkstechniken auf dem Lande einen Vorsprung gegenüber
den riesigen Architekturfabriken der Designinstitute verschaffen, die in
Partnerschaft mit so ziemlich allen größeren Büros der Welt
spektakuläre und gigantische Bauten in allen chinesischen Millionenstädten
errichten, meist ohne besondere Rücksicht auf einen regionalen Bezug. Ihr
architektonisches Schaffen bildet nur einen sehr kleinen Teil der Bautätigkeit
Chinas – sozusagen eine Ausnahme. Sie suchen im Kontext der Globalisierung
nach neuen Wegen in der chinesischen Architektur und finden Antworten.
Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.
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Deutschen Architekturmuseum, Frankfurt