Positionen konkreter Kunst heute
Ausstellung Landesmuseum Mainz, bis 13. September 2009
Der Begriff "Konkrete Kunst" geht auf den niederländischen
Maler und Kunsttheoretiker Theo van Doesberg zurück. Er führte
ihn 1924 ein und formulierte ihn 1930 in einem Manifest zur Gründung
der Gruppe "Art Concret". Mit der Bezeichnung wurde die Abgrenzung
zur ebenfalls gegenstandslosen abstrakten Kunst verdeutlicht. Während
letztere Gegenstände der materiellen Wirklichkeit in abstrahierter
Form darstellt, ist es das Anliegen der konkreten Kunst, Geistiges in Materie
auszudrücken.
Als Wegbereiter gelten Wassily Kandinsky, Kasimir Malewitsch, die Künstlergruppe
De Stijl, sowie die russischen Konstruktivisten und einige Vertreter des
Bauhauses. Ausgangspunkt für die Werke sind die konkreten Bildmittel
Linie, Farbe, Fläche und Raum. Weder wird ein Naturvorbild wiedergegeben,
noch finden sich symbolhafte Bezüge. Van Doesberg erklärte: "Die
Malerei ist ein Mittel, um auf optische Weise den Gedanken zu verwirklichen.
(…) Konkrete Kunst ist in ihrer letzten Konsequenz der reine Ausdruck von harmonischem
Maß und Gesetz. (…) Wir arbeiten mit den Größen der
Mathematik und der Wissenschaft, das heißt: mit den Mitteln des Denkens."
Dies bedeutet, die konkrete Kunst beruht auf mathematisch-geometrischen
Grundlagen und ist als rein rationale Kunst zu verstehen. Doch handelt es sich nicht
um stereotype Konstruktionen, sondern um eine ästhetische Verarbeitung
der Realität. Dabei ist die geometrische Konstruktion von äußeren
Faktoren abhängig. Die Gegebenheiten des Lichtes beeinflussen das Kunstobjekt
und die Wahrnehmung des Betrachters. Die Veränderungen der Farben durch
Licht und Schatten fordern zu bewußtem Sehen auf. Hierin liegt eine
der wesentlichen Merkmale des Stiles.
Der
Oberbegriff der "Konkreten Kunst" umfaßt die unterschiedlichen
Bereiche der Malerei und Relief, Skulptur und Plastik sowie Fotografie.
Dieselben Vorstellungen finden sich auch in der Musik und der Poesie. Unterschiedliche
Strömungen und teilweise verschiedene theoretische Überlegungen
führen zu einer reichen Vielfalt dieser Kunstrichtung.
Das Landesmuseum zeigt in seiner Ausstellung die Arbeiten von 15 Künstlern
aus sieben Ländern. Die Künstler gehören verschiedenen Generationen
an und vertreten die Bereiche Malerei, Fotografie, Plastik, Skulptur und
Relief. Die reiche Werkschau bietet einen abwechslungsvollen Einblick in
diese Kunstauffassung.
Ewerdt Hilgemann wurde 1938 in Witten a.d. Ruhr geboren, lebt in Amsterdam.
Seine kubischen Edelstahlobjekte entstehen durch Implosion: geometrische
Hohlkörper werden luftleer gepumpt, der äußere Druck drückt
sie zusammen. Das entstandene Werk vereint in sich den Gegensatz einer
intakten hochglänzenden Oberfläche und das Ergebnis eines physikalischen
Vorgangs, das Wirken starker Kräfte.
Dany
Paal wurde 1960 geboren, lebt in München. In ihren Malereien auf Leinwand
oder Aluminium öffnen Schlitze das Bild zur dahinter liegenden Wand.
Die Kanten der Öffnungen werfen Schatten, und diese übernehmen
die Funktion von Farbe. Die Wirkung der Farbe ist abhängig vom Licht:
das Licht verändert die Farbe, das Bild verändert sich mit dem
Licht.
Dóra Maurer wurde 1937 in Budapest geboren. Sie entwickelte die
Displacement-Bilder, in denen Farbfelder schrittweise verschoben werden.
Die einzelnen Elemente liegen schichtweise übereinander, die Felder
bilden Raumsysteme. Dabei wird der Eindruck von Schwerelosigkeit hervorgerufen.
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