Ewerdt Hilgemann: quad, 2004Positionen konkreter Kunst heute

Ausstellung Landesmuseum Mainz, bis 13. September 2009

Der Begriff "Konkrete Kunst" geht auf den niederländischen Maler und Kunsttheoretiker Theo van Doesberg zurück. Er führte ihn 1924 ein und formulierte ihn 1930 in einem Manifest zur Gründung der Gruppe "Art Concret". Mit der Bezeichnung wurde die Abgrenzung zur ebenfalls gegenstandslosen abstrakten Kunst verdeutlicht. Während letztere Gegenstände der materiellen Wirklichkeit in abstrahierter Form darstellt, ist es das Anliegen der konkreten Kunst, Geistiges in Materie auszudrücken.

Als Wegbereiter gelten Wassily Kandinsky, Kasimir Malewitsch, die Künstlergruppe De Stijl, sowie die russischen Konstruktivisten und einige Vertreter des Bauhauses. Ausgangspunkt für die Werke sind die konkreten Bildmittel Linie, Farbe, Fläche und Raum. Weder wird ein Naturvorbild wiedergegeben, noch finden sich symbolhafte Bezüge. Van Doesberg erklärte: "Die Malerei ist ein Mittel, um auf optische Weise den Gedanken zu verwirklichen. (…) Konkrete Kunst ist in ihrer letzten Konsequenz der reine Ausdruck von harmonischem Maß und Gesetz. (…) Wir arbeiten mit den Größen der Mathematik und der Wissenschaft, das heißt: mit den Mitteln des Denkens." Dies bedeutet, die konkrete Kunst beruht auf mathematisch-geometrischen Grundlagen und ist als rein rationale Kunst zu verstehen. Doch handelt es sich nicht um stereotype Konstruktionen, sondern um eine ästhetische Verarbeitung der Realität. Dabei ist die geometrische Konstruktion von äußeren Faktoren abhängig. Die Gegebenheiten des Lichtes beeinflussen das Kunstobjekt und die Wahrnehmung des Betrachters. Die Veränderungen der Farben durch Licht und Schatten fordern zu bewußtem Sehen auf. Hierin liegt eine der wesentlichen Merkmale des Stiles.

Dany Paal: o.T.Der Oberbegriff der "Konkreten Kunst" umfaßt die unterschiedlichen Bereiche der Malerei und Relief, Skulptur und Plastik sowie Fotografie. Dieselben Vorstellungen finden sich auch in der Musik und der Poesie. Unterschiedliche Strömungen und teilweise verschiedene theoretische Überlegungen führen zu einer reichen Vielfalt dieser Kunstrichtung.

Das Landesmuseum zeigt in seiner Ausstellung die Arbeiten von 15 Künstlern aus sieben Ländern. Die Künstler gehören verschiedenen Generationen an und vertreten die Bereiche Malerei, Fotografie, Plastik, Skulptur und Relief. Die reiche Werkschau bietet einen abwechslungsvollen Einblick in diese Kunstauffassung.

Ewerdt Hilgemann wurde 1938 in Witten a.d. Ruhr geboren, lebt in Amsterdam. Seine kubischen Edelstahlobjekte entstehen durch Implosion: geometrische Hohlkörper werden luftleer gepumpt, der äußere Druck drückt sie zusammen. Das entstandene Werk vereint in sich den Gegensatz einer intakten hochglänzenden Oberfläche und das Ergebnis eines physikalischen Vorgangs, das Wirken starker Kräfte.

Dora Maurer: Quod libet 48, 2006Dany Paal wurde 1960 geboren, lebt in München. In ihren Malereien auf Leinwand oder Aluminium öffnen Schlitze das Bild zur dahinter liegenden Wand. Die Kanten der Öffnungen werfen Schatten, und diese übernehmen die Funktion von Farbe. Die Wirkung der Farbe ist abhängig vom Licht: das Licht verändert die Farbe, das Bild verändert sich mit dem Licht.

Dóra Maurer wurde 1937 in Budapest geboren. Sie entwickelte die Displacement-Bilder, in denen Farbfelder schrittweise verschoben werden. Die einzelnen Elemente liegen schichtweise übereinander, die Felder bilden Raumsysteme. Dabei wird der Eindruck von Schwerelosigkeit hervorgerufen.

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