Bernhard Heisig: Faust und Mephisto, 2002

Und merkt euch wie der Teufel spaße

Bernhard Heisig und Goethes "Faust'". Ausstellung Freies Deutsches Hochstift, Frankfurt, bis 30. August 2009

Der Maler und Grafiker Bernhard Heisig (geb. 1925), Mitbegründer der legendären "Leipziger Schule", gehört zu den großen Illustratoren, die das 20. Jahrhundert hervorgebracht hat. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die 50 Federzeichnungen Heisigs, die für die 2002 erschienene Faust-Ausgabe des Verlags Faber & Faber Leipzig entstanden sind. Diesen ersten großen Faust-Zyklus des 21. Jahrhunderts konnte das Frankfurter Goethe-Museum mit Hilfe der Hessischen Kulturstiftung sowie der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen/Thüringen kürzlich erwerben. Dazu kommen Lithografien Heisigs zu Faust aus den Jahren 1981 bis 1997 sowie Gemälde aus Privatbesitz, die in ihrer Eigenwilligkeit und dynamischen Farbkraft den Rahmen des Illustrativen sprengen. Um das Fundament zu zeigen, von dem der Künstler ausgeht, werden ca. 40 Faust-Illustrationen der Moderne von Slevogt und Barlach bis Dali und Beckmann gegenübergestellt. Max Beckmann ist das unumstrittene Vorbild, zu dem Heisig sich bekennt.

Bernhard Heisig: Auerbachs Keller in Leipzig, 2002Der Mythos Faust hat über die Zeit hinweg nichts von seiner Wirkungskraft verloren, rührt er doch an Grundfragen menschlicher Existenz. In Goethes Dichtung findet Fausts Weg "vom Himmel durch die Welt zur Hölle" (V. 242) seine maßgebliche Form, die zu einem festen Bestandteil der europäischen Kulturtradition wird. Generationen von Künstlern haben sich seit dem frühen 19. Jahrhundert auf spannungsreiche Weise damit auseinandergesetzt und Faust – insbesondere in der Moderne – im Spiegel ihrer Gegenwart dargestellt. Am Ende des 20. Jahrhunderts nimmt Bernhard Heisig die alte Parabel kraftvoll wieder auf und nutzt sie als Ausdrucksträger seines eigenen Geschichtsbildes, das sich als ungleich pessimistischer erweist als dasjenige Goethes. Wer hier die Wette gewinnt, Faust oder Mephisto, wird keinesfalls durch die Gnade des Himmels entschieden.

Von früh an als Illustrator geschult, gelingt es Heisig mit großer Souveränität, schlüssige Bilder zu finden, die den Text nicht nur in seiner Aktualität veranschaulichen, sondern auch den temperamentvollen Dialog mit ihm wagen. Er konzentriert sich auf den ersten Teil der Dichtung und greift Kernszenen heraus, die er wieder und wieder gestaltet, sei es im illustrativen Medium der Graphik, sei es in den furios hingeworfenen Gemälden.

Bernhard Heisig: Gretchen, 2002Die meisten Arbeiten zu Goethes Faust überschreibt Heisig mit Vers-Zitaten, deren Auswahl seinen spezifischen Zugriff auf den Text erkennen lässt. Eine der Federzeichnungen zu "Auerbachs Keller" ordnet Heisig dem Vers zu: "Und merkt euch wie der Teufel spaße" (2321). Gerade dieses mephistophelische Element, der dämonische Witz, die Balance am Abgrund reizen den Künstler und prägen den gesamten Zyklus. In Goethes Dichtung deckt Heisig namentlich die dunklen, aufrührerischen, bedrohlichen Züge auf: die diabolische Lust an der Verführung, die menschliche Verführbarkeit und das Entsetzen beim Erwachen aus einer Illusion, die sich als Alptraum entpuppt. Im Brennpunkt der Aufmerksamkeit steht Mephisto, der zuweilen unter der Maske eines Schauspielers auftritt, während bei Faust oft selbstbildnishafte Züge durchscheinen. Es ist kein Zufall, dass Heisig sich gerade in seinem Alterwerk so intensiv mit der Faust-Thematik auseinandersetzt. Mitunter knüpftHeisig bei der Gestaltung seiner Motive an die alte Bildtradition an, oft ist auch der Einfluss des Theaters zu spüren. Daraus entsteht jedoch ein unverwechselbares Neues, das der Lebenswelt des Künstlers entspringt und die Dichtung, die Goethe noch im Jahr seines Todes als "sehr ernste Scherze" bezeichnet hat, ganz nahe rückt.

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