'Elvis in Deutschland'

Elvis in Deutschland

Museum für Kommunikation Frankfurt, 17. März bis 29. Mai 2005

Elvis Presley, einer der größten Stars der Pop-Kultur, wäre am 8. Januar 2005 70 Jahre alt geworden. Er starb am 16. August 1977 im Alter von 42 Jahren in seinem Haus in Memphis/Tennessee. Die Ausstellung, die die Ausstrahlung der amerikanischen Pop-Kultur auf Deutschland dokumentiert, zeigt insgesamt mehr als 300 Objekte aus privaten und öffentlichen Sammlungen, darunter Kostüme, Plakate und Schallplatten. Auch der Seesack, mit dem Elvis 1958 in Bremerhaven von Bord ging, gehört zu den Schaustücken der Ausstellung sowie Teile der Original-Einrichtung des Friseur-Salons in den Friedberger "Ray Barracks", wo der Star sich die Haare schneiden ließ. Elvis Presley verband die "weiße" Country und Western Music mit dem "schwarzen" Rhythm 'n' Blues zu einem eigenen Stil, dem Rock 'n' Roll. 1953 nimmt er seine erste Platte auf und erreicht bereits wenige Jahre später ein internationales Massenpublikum. In Friedberg im Taunus leistet er zwischen 1958 und 1960 seinen Wehrdienst ab. Die Medien stürzen sich auf ihn, das jugendliche Publikum nimmt regen Anteil am Leben des Soldaten in Deutschland.

Elvis auf dem Bravo-Titel"Autogramm, das ist beinah das erste deutsche Wort, das ich gelernt habe". Vor allem den Jugendlichen in West und Ost vermittelt er ein neues Lebensgefühl. Mit seiner markanten Frisur, seinen extravaganten Kostümen und seinen lasziven Gesten verkörpert er den Bruch mit bürgerlichen Vorstellungen. Obwohl er selbst keine politischen Stellungnahmen abgibt, repräsentiert er wie Filmstar James Dean den Typ des jugendlichen Rebellen. Die Deutschlandpremiere des Bill-Haley-Films "Rock around the Clock" im September 1956 löst in Deutschland eine Serie von "Halbstarkenkrawallen" aus, die Eltern, Pädagogen, Journalisten und Politiker ratlos macht.

So sehr die amerikanische Armeeführung die Normalität seiner Einberufung betont, Elvis ist auch in Deutschland eine Person des öffentlichen Interesses: Hunderte von Fans erwarten ihr Idol bei der Ankunft in Bremerhaven. Am folgenden Tag findet im Speisesaal der Ray Barracks in Friedberg eine internationale Pressekonferenz mit über 150 Journalisten, Kamerateams und Fotografen statt. Die Jugendzeitschrift "Bravo", die im August 1956 erstmals erscheint, widmet dem "King" eine 13-teilige Serie, obwohl Elvis in Deutschland nicht live auftritt. Seine Fans belagern Abend für Abend sein Haus in Bad Nauheim, wo Presley und seine Familie mit Erlaubnis des US-Militärs wohnen dürfen.

Elvis' Ankunft in FriedbergArgwöhnisch beobachten DDR-Funktionäre diese Form "amerikanischer Kulturbarberei". Walter Ulbricht polemisiert 1959 in Bitterfeld gegen die "ekstatischen 'Gesänge' eines Presley" und ist sich mit dieser Verurteilung des Beifalls der älteren Generation in Ost und West sicher. Dennoch gelingt es der Parteiführung nicht, die Faszination des Rock ’n’ Roll auf die DDR-Jugendlichen zu unterbinden. Sie propagiert sogar einen eigenen neuen Modetanz, den "Lipsi", der sich aber nicht durchsetzen kann. Die Staatssicherheit verfolgt weiterhin "Rock ’n’ Roll-Banden" und löst sie auf.

In West-Deutschland steigen Peter Kraus und Ted Herold zu deutschen Rock 'n' Roll-Idolen mit eigenen Fanclubs auf. Während Ted Herold als harter Rock 'n' Roller vermarktet wird, singt und tanzt Peter Kraus für ein Massenpublikum.

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