Raub und RestitutionRaub und Restitution

Kulturgut aus jüdischem Besitz von 1933 bis heute. Ausstellung Jüdisches Museum Frankfurt, bis 2. August 2009

Die Ausstellung beschreibt den historischen Kontext und die bis in die Gegenwart reichenden Folgen des Raubes von Kulturgütern aus jüdischem Besitz während der NS-Zeit. Anhand verschiedener Kunstsammlungen erzählt sie das Schicksal der Eigentümer wie der Familie Rothschild. Sie nimmt aber auch die Akteure und Profiteure des NS-Raubes sowie die Versäumnisse und Unzulänglichkeiten der Restitutionspolitik in den 1950er Jahren in den Blick, die bis heute noch Fragen offen lässt.

Die Ausstellung dokumentiert die geographischen, historischen und juristischen Dimensionen des Raubes am Beispiel von acht Fällen. Das Spektrum des geraubten Kulturguts reicht von Gemälden und ganzen Bibliotheken über wertvolle Handschriften und Judaica Sammlungen bis hin zu Skulpturen, Miniaturmöbeln und Musikinstrumenten.

Die Geschichte der Judaica-Sammlung des Frankfurter Kaufmanns Sigmund Nauheim ist repräsentativ für die Brutalität des nationalsozialistischen Raubes. Als das "Museum jüdischer Altertümer", dem Nauheim seine Sammlung vermacht hatte, in der Pogromnacht 1938 geplündert wurde, fiel das Gros der Objekte in die Hände der Gestapo. Einen kleinen Teil "rettete" der Direktor des Stadtgeschichtlichen Museums vor der Einschmelzung, indem er ihn in sein Museum überführte. Dieser Fall wirft damit auch ein Licht auf die ambivalente Rolle der Museumsdirektoren während der NS-Zeit, die zwischen gutgemeinten Hilfeleistungen und skrupelloser Bereicherung changierte.

Lovis Corinth: Römische Campagna, 1914, Erbengemeinschaft nach Prof. Curt GlaserAn der Kunstsammlung des Frankfurter Mäzens Carl von Weinberg wird deutlich, wie der Raub mit juristischen Mitteln bemäntelt wurde. Nachdem er mehrfach Demütigungen erfahren hatte, musste von Weinberg im Dezember 1938 seine Villa "Waldfried" mitsamt der Sammlung von Kunstwerken aus verschiedenen Jahrhunderten an die Stadt Frankfurt verkaufen. Er starb 1943 im italienischen Exil. Nach dem Krieg stellte der einzige Erbe Weinbergs, sein Schwiegersohn Richard von Szilvinyi, einen Antrag auf Rückerstattung der Kunststammlung und Liegenschaften. Sie wurden 1950 restituiert. Einen Teil davon stiftete Szilvinyi Frankfurter Museen.

In der begleitenden Rahmenhandlung beleuchtet die Ausstellung die Funktion, die der Kunst- und Kulturgutraub in der antisemitischen Verfolgungs- und Vernichtungspolitik ab 1933 einnahm. Die unterschiedlichen Phasen und die Radikalisierung dieser Politik werden herausgearbeitet, Institutionen und Personen, die am Raub beteiligt waren und von ihm profitierten, vorgestellt: etwa das "Führermuseum Linz", Hermann Göring und bekannte NS-Kunsthändler wie Karl Haberstock.

Cembalo aus dem Besitz von Wanda Landowska, 1633Die Ausstellung geht den juristischen Vorgaben für die Rückerstattung der geraubten Kulturgüter ebenso nach wie den teilweise bis heute unerfüllten Rückgabeansprüchen. Die von der amerikanischen Militärregierung erlassenen Rückerstattungs- und Entschädigungsgesetze bildeten die Basis für alle weiteren Regelungen in der Bundesrepublik. Nur wenigen Verfolgten wurde aber zu ihrem Recht verholfen, während diejenigen, die sich ihre Kulturgüter angeeignet hatten, den Tatbestand des Raubes leugneten. Erst nach dem Ende des Ost-West-Konflikts drangen die offenen Restitutionsfragen wieder ins öffentliche Bewusstsein. Mit der Washington Conference 1998 wurden schließlich die Weichen dafür gestellt, dass ungeklärte Fälle erstmals oder neu aufgerollt werden können. In einer Medieninszenierung werden Restitutionen, Vergleiche und schwebende Rechtsstreitigkeiten gezeigt, die seit Abschluss der Recherchen zur Ausstellung aktuell geworden sind. Die Inszenierung wird laufend erweitert. Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Museum Berlin, das Begleitbuch (Wallstein Verlag)

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