Hessisches Puppenmuseum Hanau-Wilhelmsbad
Neueröffnete Dauerausstellung als Ort historischen Bewusstseins
Wenn Puppen reden könnten, hätten sie viel zu erzählen. Meist
werden sie einfach unter "schön" kategorisiert, das
wird ihnen nicht gerecht. Im Hessischen Puppenmuseum ist nun alles anders.
Als 2006 das Museum wegen einer Statikgebäudesanierung geschlossen wurde,
sollte eigentlich die Sammlung im Anschluss schnellst möglich in bekannter
Weise wieder aufgebaut werden. Doch dann wurde alles anders. Das Land entschloss
sich, die Räume im Wilhelmsbader Kurhaus als Baudenkmal wieder herzurichten.
Wände fielen, alte Türöffnungen entstanden wieder – die
ursprünglichen Blickachsen wurden frei gegeben und in der Farbgestaltung
lehnte man sich an die ursprünglichen Farben des 18. Jahrhunderts an.
Museumsleitung
und Trägerverein entschlossen sich zu einem neuartigen Konzept: Puppen
als Zeitzeugen. Die wohl deutschlandweit einzigartige Sammlung antiken Spielzeugs
steht nun z.B. im Zusammenhang mit der Antikenbegeisterung seit dem 18. Jahrhundert.
Museumsleiterin Maren Raetzer erläutert, wenn man solche Schätze
besitzt, redet man natürlich nicht gerne über das Thema Raubgrabungen.
Wir haben aber gesagt, wenn wir die Objekte wirklich darstellen wollen, ist
das ein wichtiger Teil ihrer Geschichte, denn der Besucher sollte auch erfahren:
Wie kommt eine antike Bauchtanzpuppe überhaupt nach Hessen.
Nach der
Antike taucht der Besucher ein in die Welt des 18. und 19. Jahrhunderts.
Puppenherde erzählen über die Energiesparversuche früherer
Generationen, kleine Damen über vergangene Schönheitsideale – "Rubensfigur",
"Schneewittchentyp" und "Wespentaille". Sinnliche Erfahrungen sind dabei übrigens
erwünscht. Besonders
stolz ist man auf eine Sonderanfertigung. Ein Korsett, bei dem der Besucher
aktiv erfahren kann, wie sich der weibliche Körper verformt, wenn er
geschnürt wird. Deutschlandweit suchte man nach einem Korsettmacher
für ein solches Modell. Die Zeitreise reicht bis in die 60er Jahre des
20. Jahrhunderts.
Ein
besonderes Highlight der Ausstellung ist neue Käthe-Kruse-Abteilung,
die Dauerleihgabe einer engagierten Sammlerin, die zur Wiedereröffnung
des Museums gewonnen werden konnte. Seltene Puppen, wie die Puppe I mit Froschhand
haben den Weg nach Hanau gefunden. Ebenfalls neu ist ein eigener Bereich
zur Puppenwelt Japans. Die farbprächtigen Mädchen- und Jungenfestaufbauten,
traditionellen Kokeshi und Palastpuppen gehören nun zur Dauerausstellung
und gewähren Einblicke in eine fremdartige Puppenwelt, in der Puppen
auch mystische Funktionen haben.
» zurück
» zum Hessischen Puppenmuseum Hanau-Wilhelsmbad
|