Liselotte Strelow (1908-1981)
Retrospektive. Ausstellung Historisches Museum Frankfurt, bis 13. April
2009
Aus Anlass ihres 100. Geburtstages 2008 und passend zum 60. Jahrestag der
Gründung der Bundesrepublik Deutschland 2009 zeigt das Historische Museum
eine umfassende Retrospektive der Fotografin Liselotte Strelow. Die Ausstellung
versammelt 220 Originalabzüge Porträt- und Theaterfotografien aus
der deutschen Nachkriegszeit bis in die 1960er Jahre. Schauspieler, Schriftsteller
und bildende Künstler wieGustav Gründgens oder Marlene Dietrich,
Thomas Mann oder Willi Baumeister sind ebenso in der Galerie der Prominenten
vertreten wie Politiker, Wirtschaftsmanager oder internationale Künstler,
so Jean Cocteau und Henry Moore. Dokumente, Bücher, Zeitschriften und
Auftragsbücher, aber auch eine von Liselotte Strelow entwickelte Filmreihe
ergänzen die Präsentation.
Strelows
Lebensweg war nicht einfach, umso bewusster gestaltete sie nach 1945 ihre
Karriere als Berufsfotografin und Fotokünstlerin der jungen Bundesrepublik.
Nach Ausbildung und ersten Ateliererfolgen als Fotografin im Berlin der NS-Zeit
zog sie aus Pommern, wohin sie geflüchtet war, nach dem Zweiten Weltkrieg über
Detmold ins Rheinland. Zielsicher wählte sie 1949 die gut klingende
Atelieradresse Königsallee "Kö" in Düsseldorf
und fotografierte nun die Prominenz der deutschen Nachkriegszeit bis in die
sechziger Jahre hinein. Politiker, Künstler, und Schauspieler aus dem
In- und Ausland sowie die Elite des deutschen Wirtschaftswunders saßen
ihr Modell. Der erste Bundeskanzler der neuen Republik, Konrad Adenauer,
wurde ebenso von "der Strelow" abgelichtet wie der erste Bundespräsident
Theodor Heuss. Das Strelow-Porträt diente als Vorlage für die in
Millionenauflage gedruckte Heuss-Briefmarke.
Für das psychologische Porträt, das Liselotte Strelow anstrebte,
hieß es, "so viele von den hundert Charakterzügen, Wesenszügen
eines Menschen zu sammeln wie möglich." In langen Studiositzungen
und Gesprächen mit ihrem Gegenüber entstanden facettenreiche Einzelbilder,
mit denen sie dem "Wesentlichen einer Persönlichkeit" auf
den Grund gehen wollte. Liselotte Strelow schuf konzentrierte Bildnisse unter
anderem von Gottfried Benn, Günther Grass, Ingeborg Bachmann, Alexander
Mitscherlich, Joseph Beuys, Hildegard Knef oder Helene Weigel.
Schon
ab Ende der 1930er Jahre hatte sich Liselotte Strelow mit Fotografien von
Opern-, Revuestars und Schauspielern einen Namen gemacht. Im kulturhungrigen
Nachkriegsdeutschland beschäftigte sie sich erneut mit der Theaterfotografie.
So war sie für Gustav Gründgens, damals Intendant in Düsseldorf,
für die Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth oder für Oscar Fritz
Schuh an den Städtischen Bühnen in Köln tätig. Es entstanden
Aufnahmen von Theater- und Tanzaufführungen, Regisseuren und Schauspielern
wie dem aus dem Exil zurückgekehrten Fritz Kortner, von Elisabeth Flickenschildt
oder Ruth Leuwerik.
Neben der Porträt- und Theaterfotografie arbeitete Liselotte Strelow
als Auftragsfotografin für die Werbung oder schrieb eigene Reportagen.
Ihre Fachkenntnis publizierte sie unter anderem 1961 in dem Buch "Das
manipulierte Menschenbild", das 1966 ins Englische übersetzt
wurde. In ihrer zehnteiligen Filmreihe "Sagt die Fotografie die Wahrheit?"
(WDR 1965-67) demonstrierte sie anschaulich, wie ein Bild inszeniert und
manipuliert
werden kann. Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem LVR-LandesMuseum
Bonn und der Gesellschaft Photo Archiv e.V., das Begleitbuch mit Texten von
Klaus Honnef u.a. erschien im Verlag Hatje Cantz (320 S., 282 Abb.) und kostet
im Museum 29,- €.
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Frankfurt