David Watkins: Halsschmuck, Blackbird - Redbird

David Watkins

Artist in Jewellery. Ausstellung Deutsches Goldschmiedehaus Hanau, bis 27. März 2009

In den 1960er Jahren zeichnet sich in ganz Europa eine Revolution der Schmuckgestaltung ab: Nicht Gold, Silber und Einkaräter sind gefragt, neue Materialien wie Acryl, Papier, Aluminium verdrängen die edlen Metalle und Steine. Nicht der materielle, sondern der künstlerische Wert eines Schmuckstücks zählt. Zu den Protagonisten der Szene in London gehört David Watkins, der zuerst als Jazzpianist und Bildhauer bekannt wurde, bevor er sich einen Namen in der Schmuckgestaltung machte.

David Watkins: Halsschmuck, Orbits 5, Convergence 2, White SlidesDas Deutsche Goldschmiedehaus Hanau widmet als erste Station in Deutschland dem ungemein spannenden und vielseitigen Schaffen des Künstlers eine umfassende Retrospektive. Seine eigentliche Hinwendung zum Schmuck erfährt Watkins über seine Studienkollegien und spätere Frau Wendy Ramshaw, die damals aus Kupfer, Messing und Acryl preiswerten, modischen Schmuck kreiert. Beeinflusst von der Op-Art gelingt den beiden 1963 ihr großer Coup mit "Optik Art Jewellery", den sie dann mit dem "Flat-pack" Papierschmuck ergänzen. Mitte der 1960er Jahre fasziniert Watkins die Filmtechnik, der in den britischen Studios von Metro Goldwyn Mayer von Stanley Kubrick produzierte Film "2001 – A Space Odyssey" beeinflusst ihn nachhaltig und zeichnet sich später auch in seinem Schmuck ab.

David Watkins: Ansteckschmuck, Leaf Wheel 5 (Descendent Leaves)David Watkins versteht Schmuck als tragbare Skulptur. Zu Beginn der 1970er Jahre entstehen Broschen und Halsschmuck in Gold mit Farbsteincabochons oder Acryl. Halsschmuck in Metall mit schwarz-weißem Acryl lebt von äußerster Reduktion und Körperbetonung – der Schmuck soll den Körper der Trägerin und nicht die Kleidung ergänzen. Ab 1980 haben Neopren und Papier absoluten Vorrang. Watkins betont jetzt die Improvisation in Erinnerung an seine Jahre als Jazzmusiker, die "Improvisations" werden zum "Markenzeichen" des Künstlers. Es entstehen Serien von spielerischem, räumlichem und topographischem Halsschmuck, den Watkins "Landlines" nennt.

Watkins wird nicht müde zu experimentieren, Design und Ausführung seines Schmucks entstehen jetzt über den Computer, die Lasertechnik fasziniert ihn. Seine Werkstoffe heißen Colorcore® und vergoldetes Messing. Großer, von technischer Perfektion geprägter Armschmuck erinnert in seiner Farbigkeit an ethnologischen Schmuck. Watkins selbst erwähnt den "Zauber des Primitiven in der maschinellen Ästhetik". In den letzten Jahren wird der Künstler wieder mehr zum Goldschmied, Inspirationen durch die Natur setzt er in Gold um. Die zunächst einfachen „Leaf-Pins“ entwickeln sich zu aufwendigen "Wheel-Pins" weiter. Abstraktion und Mystizismus bestimmen den aktuellen Schmuck des Künstlers: Symbole und Metaphern bieten dem Betrachter spirituelle Botschaften, sie sind mehrdeutig und offen für jegliche Interpretation.

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