Russland
1900
Kunst und Kultur im Reich des letzten Zaren. Ausstellung Institut Mathildenhöhe,
Darmstadt, bis 1. Februar 2009
Von der Krönung des Zaren 1896 bis zur Oktoberrevolution von 1917
spannt sich der Bogen dieser internationalen Schau mit Leihgaben aus St.
Petersburg, Moskau, London, Berlin, Straßburg und Paris. Zahlreiche
Meisterwerke aus den Bereichen Kunst und Kunsthandwerk, Architektur, Möbeldesign,
Bühnenkunst, Film und Fotografie machen auf der Mathildenhöhe eines
der spannendsten Kapitel der Kulturgeschichte um 1900 erfahrbar: Russland
zur Zeit des letzten Zaren, ein Reich von ungeheurer Ausdehnung und dynamischer
Wirtschaftskraft in voller kultureller Blüte – und doch dem Untergang
geweiht.
Das
Spektrum der vertretenen Kunstrichtungen reicht dabei von neorussischen Werken
mit ihrer Betonung der kulturellen Wurzeln über den westlich beeinflussten
Jugendstil bis hin zur internationalen Avantgarde der Bühnenkunst, die
bildnerische Fanale in einer Zeit radikaler Umbrüche setzt. Bedeutende,
aber auch überraschende Werke von Repin, Wrubel und Kandinsky bis hin
zu Tatlin und Malewitsch dokumentieren eine ebenso glanzvolle wie dramatische
Epoche zwischen Tradition und Revolution. Auf der Mathildenhöhe
Darmstadt entfaltet sich das kulturhistorische Panorama an einem authentischen
Schauplatz deutschrussischer Geschichte: "Die Ausstellung könnte
an kaum einem Ort außerhalb Russlands sinniger sein: Nur wenige Meter
vom historischen Ausstellungsgebäude entfernt leuchten die goldenen
Kuppeln der Russischen Kapelle, erbaut zwischen 1897 und 1899 im Auftrag
des Zaren
Nikolaus II.", so Museumsleiter Dr. Ralf Beil. Als einzige Hofkirche des
Zarenpaars außerhalb Russlands macht die Russische Kapelle die engen
dynastischen Verbindungen des Großherzogtums Hessen mit der russischen
Herrscherfamilie auf beeindruckende Weise sichtbar: Zarin Alexandra Fjodorowna,
vormals Alix von Hessen, war eine Darmstädterin,
das Zarenpaar weilte zwischen 1896 und dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges
immer wieder in der Residenzstadt der Großherzöge von Hessen und
bei Rhein. Insgesamt entsteht ein spannendes und facettenreich konturiertes
Gesamtbild einer bewegten und bewegenden Epoche, deren Auswirkungen Russland
bis heute prägen.
Das
reich illustrierte Katalogbuch "Russland 1900. Kunst und Kultur
im Reich des letzten Zaren" (416 S., 350 Abb., 45,- €) erweitert
und vertieft die Themen der Ausstellung und erschließt damit ein bislang
wenig beleuchtetes Kapitel russischer Kulturgeschichte. Es präsentiert
nicht nur die künstlerischen
Hauptströmungen, die maßgeblichen Künstlerkolonien
und Zeitschriften jener Zeit, sondern stellt alle Gattungen von der Malerei,
Skulptur und Grafik über Architektur und angewandte Kunst bis hin zu
Theater, Musik und Literatur in fundierten Essays vor. Zentrale historische
Ereignisse spiegeln
sich in signifikanten Quellentexten, während die markanten Wendepunkte
der Schwellenjahre 1905 und 1913 in eigenen Essays lebendig werden.
Ergänzt
wird das Ausstellungsprogramm durch zahlreiche Begleitveranstaltungen, an
denen sich neben der Mathildenhöhe Darmstadt viele weitere Kulturinstitute
der Stadt beteiligt haben. So erwartet den Besucher ein vielseitiges Programm
von Fachvorträgen und Lesungen auf der Mathildenhöhe, russischen
Badenächten im Jugendstilbad, einer Tschechow-Inszenierung sowie einem
Sinfoniekonzert mit Skrjabin und Strawinsky im Staatstheater bis hin zur
Russendisko mit Wladimir Kaminer in der Centralstation und Vorlesestunden
mit russischen M ärchen in der Stadtbibliothek.
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