Kunst grenzenlos
Die Ausstellungsreisen der Hanna Bekker vom Rath 1952 1967. Ausstellung
Stadtmuseum Hofheim, bis 15. Februar 2009
"Kunst grenzenlos" vor fünfzig Jahren war ein fernes Ziel,
für das sich Einzelne mit großem Engagement, Mut und Weitblick
nach den Erfahrungen von Diktatur und Weltkrieg einsetzten. Nur Wenige befassten
sich mit den kulturellen Verlusten für Deutschland, bis zu interkulturellen
Dialogen und Trialogen war es noch ein weiter Weg. Mit über 140 Exponaten
von fast 60 Künstlern bietet die Ausstellung einen Ausschnitt der Künstler
und Werke, die Hanna Bekker vom Rath (1893-1983) als "Botschafterin
der Kunst" auf ihren Ausstellungsreisen zwischen 1952 und 1967 durch
vier Kontinente mit sich führte. In Anlehnung an die Kollektion der
Reisen werden überwiegend grafische Arbeiten ausgestellt. Die Ausstellung
zeigt auch ihre Entdeckungen in den Gastländern und gibt ihren Blick
auf das Kunstschaffen bis zu den 1950/60er Jahren wieder.
Während
der 1920er Jahre legte Hanna Bekker vom Rath den Grundstein zu ihrer späteren
Kunstsammlung. Ludwig Meidner, Alexej von Jawlensky, Ewald Mataré,
Karl Schmidt-Rottluff und Emy Roeder gehörten ihrem persönlichen
Freundeskreis an. Hinzu kamen die Gegenstandslosen wie Willi Baumeister,
Ernst Wilhelm Nay, Rolf Nesch, HAP Grieshaber, Günter Schulz-Ihlefeldt
und Fritz Winter. Während des Dritten Reiches gewährte sie vielen
der mit Mal- und Ausstellungsverbot Belegten Zuflucht und Malgelegenheit
in ihrem „Blauen Haus“ in Hofheim. Ab 1938 zeigte sie in ihrer
Berliner Atelierwohnung heimliche Ausstellungen der als „entartet“ verfemten
Künstler.
1947 gründete sie das Frankfurter Kunstkabinett, das sich auch "jungen"
Künstlern öffnete:
u.a. Kurt Federlin, Fridolin Frenzel, Gerhard Hintschich, Carl-Heinz Kliemann,
Seff Weidl. Im Juni 1955 verabschiedete sich Bekker vom Rath für ein Jahr
von Deutschland und brach zu ihrer Weltreise auf. 206 Blätter von 88 Künstlern
zeigte sie in Kuba, Brasilien, Chile, Peru, Südafrika und Indien. Für
den Bildertransport diente ihr ein großer, von ihr bemalter Aluminiumkoffer,
der als Diplomatengepäck deklariert war und dessen Ein- und Ausladen in
die Flugzeuge sie meist selbst überwachte. In den Jahren 1957 bis 1967 folgten
weitere Ausstellungsreisen, u.a. in die USA, Mexiko, Spanien, Ägypten,
Griechenland, Libanon und Marokko.
Publikum
und Presse in den bereisten Ländern nahmen regen Anteil an den Ausstellungen.
Unterstützung bei ihren oft improvisierten Ausstellungen fand sie vielfach
durch deutsches Botschaftspersonal oder durch Vertreter der Kulturinstitute
vor Ort. Hanna Bekker vom Rath nutzte diese Reisen zugleich um alte Verbindungen
aufzufrischen (u.a. Benno Elkan und Ludwig Meidner/Exil England, Hans Platschek
lebte in Uruguay) wie um neue zu knüpfen, die sich im Programm internationaler
Künstler ihrer Galerie wiederfanden: z.B. Isidor Aschheim, Alexander
Calder, Luigi Coppa, Alberto Giacometti. Manche dieser Künstler sind
heute zu unrecht fast in Vergessenheit geraten, ihre Namen und Arbeiten wieder
in Erinnerung zu rufen, ist ein weiteres Anliegen der Ausstellung "Kunst
grenzenlos". Von ihren Reisen brachte Hanna Bekker vom Rath auch manches
Kunstwerk aus dem Bereich der Volkskunst mit. Diese anonymen Objekte stellen
die Verbindung her zwischen den Werken "ihrer" Künstler und dem Thema
der Ausstellungsreisen.
Ein umfangeiches Rahmenprogramm mit Führungen und Vorträgen sowie einer
Museumswerkstatt mit Workshops für Kinder, Jugendliche
und Erwachsene begleitet die Ausstellung. Der Katalog (268 S.) kostet 18,-
€.
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