Georg Oswald May: Catharina Elisabeth Goethe (1776)

Catharina Elisabeth Goethe

(1731-1808) – Frau Aja, Räthin, Goethes Mutter. Ausstellung Freies Deutsches Hochstift/Frankfurter Goethe-Museum, bis 30. Dezember 2008

Catharina Elisabeth Goethe, geb. Textor ist nicht nur eine der herausragenden Frauen des 18. Jahrhunderts, sondern auch die bei weitem bekannteste Dichtermutter und wohl eine der prominentesten Frankfurterinnen. Aus Anlass ihres 200. Todestages am 13. September 2008 widmet ihr das Freie Deutsche Hochstift eine Gedenkausstellung, die im Gartensaal beginnt, von dort ins historische Goethe-Haus führt und im Goethe-Museum endet. Anhand von Handschriften, Büchern, Bildern, persönlichen Erinnerungsstücken und anderen Dokumenten wird im ersten Teil der Lebensweg Catharina Elisabeth Goethes nachgezeichnet, im zweiten Teil erstmals der erstaunliche Prozess der Legendenbildung um ihre Person sichtbar gemacht.

Im Gartensaal geht es um die Herkunft und Jugend Catharina Elisabeth Textors und ihre Vermählung mit dem Kaiserlichen Rat Johann Caspar Goethe im Jahr 1748. Im reizvollen historischen Ambiente des Goethe-Hauses wird dann das Wirken der "Räthin Goethe", liebevoll "Frau Aja" genannt, und ihre Rolle als Dichtermutter veranschaulicht. Ihr besonderes Talent als Geschichtenerzählerin und Briefschreiberin wird ebenso deutlich wie ihre Leselust und ihre Leidenschaft für das Theater.

Catharina Elisabeth Goethe (1731-1808) – Frau Aja, Räthin, Goethes MutterNachdem ihr Mann 1782 gestorben war, erwies sie sich auch als geschickte Verwalterin der Familienfinanzen. Kennzeichnend für Catharina Elisabeth Goethe sind ihre vielseitigen Freundschaften, die von der "schönen Seele" Susanna Catharina von Klettenberg aus dem Kreis der Pietisten bis zu Carl Wilhelm Ferdinand Unzelmann, dem skandalumwitterten Schauspieler, reichen. Nachdem Johann Wolfgang Goethe 1775 nach Weimar gegangen war, unterhielt sie ausgedehnte Kontakte zu dessen Freunden, etwa zu Johann Heinrich Merck, Johann Caspar Lavater und Christoph Martin Wieland. Herzog Carl August von Sachsen-Weimar und die Herzoginmutter Anna Amalia besuchten die Rätin Goethe sogar im Haus am Großen Hirschgraben, das sie bis zu ihrem Umzug an den Roßmarkt im Jahr 1795 bewohnte.

Der zweite Teil der Ausstellung geht der Legendenbildung um Catharina Elisabeth Goethe nach. Von der spielerischen Übernahme ihres Kosenamens "Aja" durch sie selbst über die Charakterisierung als "Frohnatur" durch ihren Sohn in Dichtung und Wahrheit bis hin zur Stilisierung als bodenständige und unverbildete "Frau Rat" mit Mutterwitz, Chuzpe und Frankfurter Bürgerstolz durch Bettine von Arnim werden die Stationen der Rezeptionsgeschichte bis in die Gegenwart nachgezeichnet.

Der Besucher begegnet in dieser Schau einer äußerst anziehenden, aber auch widersprüchlichen Persönlichkeit; er erhält neue Einsichten zu Catharina Elisabeth Goethe und erfährt zudem, warum viele ihr zugeschriebenen Äußerungen nicht von ihr stammen und dass sie auch nicht, wie vielfach angenommen, die Urheberin der Frankfurter Grünen Soße ist. Zur Ausstellung erscheint ein farbig bebilderter Katalogband (164 S., 15,- €).

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