Die
Maske des Mythos
Späte Arbeiten von Bernd Rosenheim. Eröffnungsausstellung im Rosenheim-Museum,
Offenbach
Ein neues Museum wird nicht alle Tage eröffnet – am Sonntag,
13. April 2008 war es in Offenbach so weit, das Rosenheim-Museum öffnete
seine Türen. Das Museum präsentiert zeitgenössische Kunst,
beginnend mit der Ausstellung "Die Maske des Mythos. Späte
Arbeiten von Bernd Rosenheim". Träger
ist die Bernd-Rosenheim-Stiftung, die das Werk des Künstlers und Autors
pflegt, einen Kunstpreis auslobt und Arbeiten weiterer Künstler zeigt.
Noch bis Mitte November wird die Rosenheim-Ausstellung unverändert über
zwei Geschosse zu sehen sein. Danach wird im Erdgeschoss der diesjährige
Kunstpreis gezeigt, weitere Ausstellungen schließen sich an – es
wird einen Wechsel aus kleineren und kürzeren Ausstellungen in einem
Teil des Hauses und größeren
und längeren Ausstellungen zu Bernd Rosenheim im ganzen Haus geben.
Die
Eröffnungsausstellung ist dem Spätwerk des Stifters gewidmet, der sich als
Bildhauer, Maler und Grafiker, aber auch als Autor und Dokumentarfilmer einen
Namen gemacht hat. 70 Werke wurden ausgewählt, aus allen Gattungen, in
denen der Künstler arbeitet: Statuen (Holz, Eisen, teils mit Stahl, teils
mit Lederapplikationen), Reliefs (Holz, Aluminium, beide teils mit Malerei
und Zeichnung), Druckgraphik (Kaltnadelradierung, Farblithographie), Handzeichnung
(Tuschfeder), dazu Schriftbilder und „Digitalgrafiken“. Inspiriert
haben den Künstler mythische Gestalten der alten Kulturen: Ägypten,
China, Japan, auch das aztekische Mexiko ist vertreten, es überwiegen
aber Götter und Helden des antiken Griechenland, z.B. "Zyklop", "Minotaurus",
"Pallas".
In der Konzeption der Ausstellung wurde versucht, die Vielfalt des künstlerischen
Schaffens Rosenheims abzubilden, ohne an Struktur zu verlieren.
Die
auf den ersten Blick kriegerischen Reliefs zeigen bei näherer Betrachtung
eigene Sichtweisen des Mythos; der "Polyphem" z.B.
ist in seiner Rolle gefangen, Täter und Opfer zugleich. Das leuchtende
Auge in der "Maske der Göttin" ist das "sonnenhafte
Auge" Goethes, ebenso im "Gentiluomo", dem Plakatmotiv.
Im Gegensatz zur weichen Malweise dieser jüngeren Arbeiten steht die
Klarheit und Schärfe der großen Statuen im Obergeschoss. Ein markant
männliches Körperideal formuliert die Statue des "Samurai",
kaum weniger künstlich und übersteigert sind die weiblichen
Formen der "Fortuna" und der "Barbarischen Göttin".
Sie fragen nach den Rollenbildern und wieder nach der Bedeutung des Mythos
als Projektion, als Maske, hinter der sich existenzielle Realitäten
verbergen. Die Aktualität der Kunst Bernd Rosenheims offenbart sich
besonders in den Themen, die verhandelt werden: Die Fragen von Verehrung
und Anbetung selbst gewählter Kultbilder, Ikonen und Stars, auch die
Auffassung von Heldentum, die Bedeutung von Kampf, und letztlich die Frage
nach der Existenz, nach metaphysischer Autorität und dem Menschenbild.
Das Begleitprogramm bietet neben Führungen und Veranstaltungen
für Kinder auch Überraschungen, die das Museum als eigenständigen
Ort zeitgenössische
rKunst markieren sollen: So wird am Sonntag, den 17.08. eine Künstlerin
durch die Ausstellung führen und ihren ganz persönlichen Zugang,
in stetem Vergleich mit dem eigenen Werk, pointiert vorstellen. Und bei den
"kunstansichten" am 20. und 21. September wird u.a. ein Bodybuilder
neben dem "Samurai"
seinen Körper als lebendes Kunstwerk präsentieren. Zur Ausstellung
ist ein Katalog erschienen (125 S., 15,- €).
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