Bernd Rosenheim: Gentiluomo, 2007Die Maske des Mythos

Späte Arbeiten von Bernd Rosenheim. Eröffnungsausstellung im Rosenheim-Museum, Offenbach

Ein neues Museum wird nicht alle Tage eröffnet – am Sonntag, 13. April 2008 war es in Offenbach so weit, das Rosenheim-Museum öffnete seine Türen. Das Museum präsentiert zeitgenössische Kunst, beginnend mit der Ausstellung "Die Maske des Mythos. Späte Arbeiten von Bernd Rosenheim". Träger ist die Bernd-Rosenheim-Stiftung, die das Werk des Künstlers und Autors pflegt, einen Kunstpreis auslobt und Arbeiten weiterer Künstler zeigt. Noch bis Mitte November wird die Rosenheim-Ausstellung unverändert über zwei Geschosse zu sehen sein. Danach wird im Erdgeschoss der diesjährige Kunstpreis gezeigt, weitere Ausstellungen schließen sich an – es wird einen Wechsel aus kleineren und kürzeren Ausstellungen in einem Teil des Hauses und größeren und längeren Ausstellungen zu Bernd Rosenheim im ganzen Haus geben.

Bernd Rosenheim: Nashorngott, 1987Die Eröffnungsausstellung ist dem Spätwerk des Stifters gewidmet, der sich als Bildhauer, Maler und Grafiker, aber auch als Autor und Dokumentarfilmer einen Namen gemacht hat. 70 Werke wurden ausgewählt, aus allen Gattungen, in denen der Künstler arbeitet: Statuen (Holz, Eisen, teils mit Stahl, teils mit Lederapplikationen), Reliefs (Holz, Aluminium, beide teils mit Malerei und Zeichnung), Druckgraphik (Kaltnadelradierung, Farblithographie), Handzeichnung (Tuschfeder), dazu Schriftbilder und „Digitalgrafiken“. Inspiriert haben den Künstler mythische Gestalten der alten Kulturen: Ägypten, China, Japan, auch das aztekische Mexiko ist vertreten, es überwiegen aber Götter und Helden des antiken Griechenland, z.B. "Zyklop", "Minotaurus", "Pallas". In der Konzeption der Ausstellung wurde versucht, die Vielfalt des künstlerischen Schaffens Rosenheims abzubilden, ohne an Struktur zu verlieren.

Bernd Rosenheim: Schatten des Samurai, 1992Die auf den ersten Blick kriegerischen Reliefs zeigen bei näherer Betrachtung eigene Sichtweisen des Mythos; der "Polyphem" z.B. ist in seiner Rolle gefangen, Täter und Opfer zugleich. Das leuchtende Auge in der "Maske der Göttin" ist das "sonnenhafte Auge" Goethes, ebenso im "Gentiluomo", dem Plakatmotiv.

Im Gegensatz zur weichen Malweise dieser jüngeren Arbeiten steht die Klarheit und Schärfe der großen Statuen im Obergeschoss. Ein markant männliches Körperideal formuliert die Statue des "Samurai", kaum weniger künstlich und übersteigert sind die weiblichen Formen der "Fortuna" und der "Barbarischen Göttin". Sie fragen nach den Rollenbildern und wieder nach der Bedeutung des Mythos als Projektion, als Maske, hinter der sich existenzielle Realitäten verbergen. Die Aktualität der Kunst Bernd Rosenheims offenbart sich besonders in den Themen, die verhandelt werden: Die Fragen von Verehrung und Anbetung selbst gewählter Kultbilder, Ikonen und Stars, auch die Auffassung von Heldentum, die Bedeutung von Kampf, und letztlich die Frage nach der Existenz, nach metaphysischer Autorität und dem Menschenbild.

Das Begleitprogramm bietet neben Führungen und Veranstaltungen für Kinder auch Überraschungen, die das Museum als eigenständigen Ort zeitgenössische rKunst markieren sollen: So wird am Sonntag, den 17.08. eine Künstlerin durch die Ausstellung führen und ihren ganz persönlichen Zugang, in stetem Vergleich mit dem eigenen Werk, pointiert vorstellen. Und bei den "kunstansichten" am 20. und 21. September wird u.a. ein Bodybuilder neben dem "Samurai" seinen Körper als lebendes Kunstwerk präsentieren. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen (125 S., 15,- €).

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