Schwimmer

Willi Baumeister

Die Frankfurter Jahre 1928-33. Museum Giersch, Frankfurt am Main, 20. März bis 10. Juli 2005

Willi Baumeister (1889-1955) zählt zu den wichtigsten deutschen Künstlern des 20. Jahrhunderts. Zu seinem 50. Todestag widmet ihm das MUSEUM GIERSCH eine Retrospektive mit dem Schwerpunkt auf Baumeisters Frankfurter Jahren. Von 1928 bis 1933 unterrichtete er an der Städtischen Kunstgewerbeschule Typographie, Werbegestaltung, Stoffdruck und Photographie. Eine dichte Werkauswahl vermittelt einen faszinierenden Einblick in Baumeisters unerschöpfliche künstlerische Energie. Als Typograph und Werbegestalter verfolgte er eine moderne, funktionale Schrift- und Werbeästhetik. In der Malerei und Graphik löste er sich von figürlicher Abbildhaftigkeit und vollzog wichtige Schritte zur Abstraktion. Mit seiner Entlassung durch die Nationalsozialisten 1933 endete diese produktive Frankfurter Schaffensphase Baumeisters abrupt.

FlämmchenfigurNach dem Studium bei Adolf Hölzel in seiner Heimatstadt Stuttgart hatte sich Baumeister in den 1920er Jahren mit dem Thema der aus einfachen Elementen gebauten und auf die Fläche bezogenen Figur beschäftigt. Kontakte zu den Konstruktivisten, zu "De Stijl" und Bauhaus, zu Fernand Léger und Le Corbusier bestärkten ihn in einer rational-technoiden Bildsprache. Sie entsprach dem Charakter der von Technik und Maschine bestimmten Massengesellschaft und stellte einen Gegenpol zur narrativen und individualistischen Malerei des Expressionismus dar. Werkgruppen wie "Sportbilder" sowie "Mensch und Maschine" spiegeln diese Begeisterung für das moderne Leben, für technische Innovation, für die Dynamik in Verkehr und Kommunikation. In der Drucksachengestaltung setzte sich Baumeister für ein sachlich-konstruktives Schriftbild ein und pflegte einen sinngemäßen Rhythmus der Textanordnung unter Verwendung aktueller Schrifttypen und Photographien.

Modernität und Vielseitigkeit prädestinierten ihn für eine Professur in Frankfurt. Unter dem Begriff des "Neuen Frankfurt" erlebte die Stadt eine der spektakulärsten Reformbewegungen in der Weimarer Republik, die das gesamte Leben in der Großstadt betraf. Ab 1930 zeichnete Baumeister als Typograph der Zeitschrift "Das Neue Frankfurt" verantwortlich und trug wesentlich zum ästhetischen Erscheinungsbild dieses wichtigen Publikationsorgans der Avantgarde bei.

Monturi IIn der Malerei und Graphik fand Baumeister mehr und mehr zu einer ureigenen Bildsprache. Prähistorische Felszeichnungen und Zeugnisse außereuropäischer Stammeskunst lieferten ihm wichtige Anregungen und setzten in ihm ein unerschöpfliches Potential an Imagination frei. Dies zeigt sich an seinen surreal anmutenden Bildfindungen. Schwebende biomorphe Formen bestimmen die Werkreihe der "Flämmchenbilder", bewegte, organoide Umrisslinien seine "Linienbilder" und hieroglyphenartige, archaische Kürzel die Serie der "Valltorta Sand- und Sportbilder". In der Ausstellung bettet eine Auswahl von Werken aus dem Hölzel-Kreis, von Freunden und Kollegen wie Oskar Schlemmer, Fernand Léger, Hans Arp, Paul Klee, László Moholy-Nagy etc. Baumeisters Schaffen in den Kontext dieser Zeit ein. Nach 1933 zur inneren Emigration gezwungen, erkundete Baumeister weiterhin unbekanntes malerisches Terrain. Als einer der prominentesten Vertreter der abstrakten Malerei nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete er bis zu seinem Tode 1955 an seiner universellen Bildsprache und erschuf einen "Urkontinent" aus chiffrenartigen Gebilden und Zeichen organischer Existenz. Mit herausragenden Beispielen aus den späten Werkreihen "Mon-turi", "Montaru", "ARU" oder "Han-i" findet die Ausstellung einen fulminanten Abschluß.

Der ausstellungsbegleitende Katalog zeigt das Ausstellungsthema umfassend mit 194 Abbildungen auf 208 Seiten.

» zurück

» zum Museum Giersch