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Macht Leder LustVerborgene Codes der Lederbekleidung im 20. Jahrhundert, Ausstellung Deutsches Ledermuseum Offenbach, bis 16. November 2008 Leder ist ein ganz besonderes Material – es wird seit Tausenden von Jahren hergestellt und genutzt, seit die ersten Jäger eher zufällig Methoden gefunden hatten, die Häute ihrer Beutetiere zu konservieren, und seit jener Zeit trägt es den Mythos und die Symbolkraft einer "zweiten Haut" in sich. Ganz gleich, ob wir seine Bedeutung bei sibirischen Schamanen betrachten oder bei nordamerikanischen Indianerhäuptlingen, in den afrikanischen Kulturen oder bei den japanischen Samurai und römischen Legionären: Leder ist für alle über den Schutz hinaus auch eine bedeutungsgeladene Substanz (gewesen). Heute assoziieren auch wir mit Leder Qualitäten wie Kraft und Stärke, Robustheit, Gewalt und Macht, doch ebenso verbinden wir damit Gedanken an Glanz und Extravaganz, an Zartheit, Verführung und Erotik. Kein anderes Material verbindet in sich so große Kontraste, und darum geht es in der Ausstellung MACHT LEDER LUST.
Die Militäruniform, und besonders die der Flieger, wie sie sich seit dem 1. Weltkrieg stilistisch herausbildet und bevorzugt auch als Zeichen der weiblichen Emanzipation getragen wird, verwandelt sich im Laufe der Zeit zu einer unumgänglichen Zutat für subkulturelle Gruppierungen mit unterschiedlichsten politischen oder gesellschaftlichen Aussagen: zuallererst beobachten wir – und das nicht nur in Deutschland – ein Wiederaufleben faschistischer Konzepte und ihrer Symbole in den gewaltbereiten Gruppierungen der Neo-Nazis. Auch für die sexuelle Codierung innerhalb der "gay communities"“ spielt die Symbolkraft eines durch Männlichkeit und Kraft geprägten Kleidungsstückes eine große Rolle, und der Sprache der Lederkleidung bedienen sich die S/M-Szenen sowohl in männlich homosexuellen wie lesbischen Kreisen. Daneben können wir heute eine ausgeprägte Präsenz von Leder im Kontext des „gender crossing“ und als Ausdruck der sexuellen Identität beobachten. Genauso kann das knarrende Geräusch von Leder sowohl Freude(n) verheißen als auch schweißtreibende Ängste auslösen – Leder steht sowohl für lustvolles Genießen wie für schmerzhafte Unterdrückung. Fetischistische Konnotationen hat das Leder seit hundert Jahren sowohl im Positiven wie Negativen und spielt damit während des gesamten 20. Jahrhunderts eine immer größer werdende Rolle als non-verbales Medium vieler gesellschaftlicher Gruppierungen. Die Ausstellung MACHT LEDER LUST zeigt anhand einiger Schlüssel-Objekte die offenen und verborgenen Codes der Lederbekleidung. Fotografien, Filme und Werbeplakate komplettieren die Präsentation der ca. 50 Originalkostüme, an Hörstationen und Bildschirmen lassen Auszüge aus der Literatur, der Sexualgeschichte und des Films das weite Spektrum der Deutungen erkennen. Durch das Medium der Fotografie vermitteln Künstler wie Jürgen Klauke einen Eindruck von der Wichtigkeit der Lederbekleidung für die sexuelle Identität. Die Arbeiten des Bozener Künstlers Gotthard Bonell illustrieren ab dem 19.9.08 in einer separaten Ausstellung die Rituale männlicher Sexualität. Im Kontext von Identität und Gender-Problematik bewegt sich Jaana Päeva’s die Ausstellung begleitendes Projekt "SEX : W". Ihre auf dem Körper aufsitzenden und die Silhouette verändernden Taschen sind deutlich beeinflusst von einem Leder-Fetischismus, sie akzentuieren die weibliche Anatomie, sie verstärken den Kurvenreichtum des Frauenkörpers, um die Fantasie anzuregen. Ein abwechslungsreiches Begleitprogramm bietet neben Führungen und Vorträgen Filme und eine Motorrad-Präsentation sowie eine konzertanten Aufführung von Gerhard Rühms "masoch - eine rituelle rezitation". Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen (deutsch/english), ein über die Schau hinausweisendes Handbuch, das die Aspekte der Codierung der Lederkleidung in ihrer Komplexität beleuchtet (160 S., mit Audio-CD, 49,90 €). |
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