Launen des Olymp

Launen des Olymp

Der Mythos von Athena, Marsyas und Apoll, Ausstellung Liebieghaus Skulpturensammlung, Frankfurt, bis 21. September 2008

Mit der Ausstellung "Launen des Olymp. Der Mythos von Athena, Marsyas und Apoll" wird nach mehrmonatigen Umbauarbeiten nun auch die Antikensammlung des Liebieghauses neu eröffnet. Die Ausstellung schildert anhand von 70 hochkarätigen Skulpturen, Vasen, Bildern und Schriftquellen das Schicksal des talentierten Silens Marsyas, der zum blutigen Opfer des Neides und der Grausamkeit des strahlenden griechischen Gottes Apollon wird. Durch sein meisterhaftes Spiel auf dem Aulos, einer von Göttin Athena erfundenen Flöte, erzürnt Marsyas Apollon, der ihn zum Wettstreit herausfordert und den Unterlegenen schließlich bei lebendigem Leibe häuten lässt. Den Ausgangspunkt der Ausstellung bildet die Statue der Athena des berühmten griechischen Bildhauers Myron. Als römische Wiederholung aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. überliefert gehört sie zu den bedeutendsten Meisterwerken der antiken Kunst und ist eine der bekanntesten Skulpturen der Antikensammlung des Liebieghauses. Die bereits in der Antike weltberühmte Statue der Göttin stand ursprünglich mit dem Silen Marsyas als Gruppe zusammen auf der Athener Akropolis. Die ebenfalls römische Skulptur des Marsyas konnte für die Ausstellung aus den Vatikanischen Museen ausgeliehen werden und wird mit der Frankfurter Athena nun erstmals die legendäre myronische Gruppe aufleben lassen.

Launen des OlympDer Erfindung des Aulos – einer doppelten Flöte aus Hirschhorn oder Schilfrohr – geht eine der größten Heldensagen der griechischen Mythologie voraus: die Enthauptung der Gorgo Medusa. Stheno und Euryale, die beiden Schwestern der Enthaupteten, stimmen einen übernatürlichen Klagegesang über den Tod Medusas an. Athena will diesen Gesang nachahmen und erfindet zu diesem Zweck den Aulos. Tatsächlich gelingt es der kunstsinnigen Göttin, dem Blasinstrument Melodien von ungeahnter Schönheit zu entlocken. Eines Tages jedoch entdeckt sie in der spiegelglatten Oberfläche des Wassers, dass das Flötenspiel ihr Gesicht entstellt. Wütend wirft sie das Musikinstrument weg. Den Silen Marsyas, der als Mischwesen aus Ziegenbock und Mensch in der Natur lebt und als Begleiter der rasenden und Trommeln schlagenden Kybele durch Phrygien zieht, trifft das Schicksal, das von Athena fortgeworfene Instrument zu finden. Er entwickelt ein großes Talent und spielt es in virtuoser Weise. Diese ungewöhnliche Begabung des Marsyas bleibt Apoll, dem Gott der Musik, nicht verborgen. Apoll fühlt sich durch die herausragende Leistung, die seine göttliche Stellung in Frage stellt, herausgefordert. Es kommt zu einem Wettstreit, den die Musen als Jury begleiten. Offensichtlich ist bei dem musikalischen Wettkampf zunächst keine eindeutige Entscheidung herbeizuführen. Apollon sieht sich somit gezwungen, die Spielregeln im laufenden Wettbewerb zu verändern – ein unerhörter Vorgang, der nicht nur aus moderner Sicht als launische Willkür erscheinen mag.

Launen des OlympDer Marsyas-Mythos ist von antiken Künstlern in seinen verschiedenen Episoden vielfach dargestellt worden. Die Ausstellung schildert die unterschiedlichen Interpretationen und Erzählstufen des Mythos: die Enthauptung der Gorgo Medusa durch Perseus, die Erfindung des Aulos und das Flötenspiel der Athena, den Wettstreit zwischen Apoll und Marsyas und die Schindung des Marsyas. Die eindrucksvolle Einführung in das Thema erfolgt durch den großartigen Marsyas-Sarkophag aus dem Louvre in Paris, der die wichtigsten Phasen des Mythos in mehreren Sequenzen veranschaulicht. Einen besonderen Glanzpunkt bildet die Athena-Marsyas-Gruppe des griechischen Bildhauers Myron. Als einer der erfindungsreichsten Künstler seiner Zeit interpretierte er Mitte des 5. Jahrhunderts v. Chr. die Bewegung der Figur im Raum neu. Die Athena-Marsyas-Gruppe zählt zu den beeindruckenden Zeugnissen dieser Entwicklung. Die Gruppe, die ursprünglich aus Bronze war und auf der Athener Akropolis stand, zeigt zwei zeitlich auseinanderliegende Ereignisse des Mythos: Indem sowohl Athenas Blick noch einen Augenblick lang auf dem von ihr verfluchten Musikinstrument haftet und Marsyas der Flöte gerade zum ersten Mal ansichtig wird, sie beinahe zertritt, zurückschreckt und sich mit ausgreifenden Armbewegungen im Gleichgewicht zu halten versucht, werden diese Sequenzen durch formale Aspekte der Komposition in kunstvoller Weise miteinander verbunden. In der Ausstellung wird dieses Spannungsmoment durch die Zusammenführung der Athena aus der Sammlung des Liebieghauses und des Marsyas aus den Vatikanischen Museen erneut erlebbar. Der von Vinzenz Brinkmann herausgegebene Katalog (184 Seiten, 106 Abb.) kostet in der Ausstellung 22,- €.

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