Andreas Gursky: Sao Paolo Sé, 2002

Andreas Gursky / Heribert C. Ottersbach

Architektur / Erziehung zur Abstraktion. Ausstellungen Institut Mathildenhöhe, Darmstadt, bis 7. September 2008

Zwei der letzten Preisträger des Wilhelm-Loth-Preises der Stadt Darmstadt werden in zeitgleichen Ausstellungen gewürdigt: Die Architekturfotografien Andreas Gurskys und die Gemälde Heribert C. Ottersbachs ergänzen sich auf das Schönste. Die Architekturfotografie bildet einen zentralen Themenkomplex im Schaffen von Andreas Gursky, eine konzentrierte Auswahl der großformatigen Tableaus ist in der Mathildenhöhe zu sehen. Der 1955 in Leipzig geborene und in Düsseldorf lebende Künstler gehört mit seinen aufwendig erstellten, unverkennbaren Werken zu den weltweit wichtigsten zeitgenössischen Fotografen.

Andreas Gursky: Bochum Uni, 1988Die Werkschau zeigt die Tiefe und Weite von Gurskys Architekturbegriffs mit Blick auf Tektur und Textur des Gebauten im Außen- und Innenraum anhand von Arbeiten des Fotografen von 1988 bis heute. Erstmalig werden diese explizit unter dem Gesichtspunkt der Architektur präsentiert. Eine Kathedrale der Energieerzeugung trifft hier auf Tempeltektonik, Freizeitarchitektur auf die informelle Architektur der Slums oder die nächtliche Lichttextur einer Megalopolis, um nur einige der emblematischen Bildfindungen von Andreas Gursky zu nennen: "Ich arbeite an einer Enzyklopädie des Lebens" (Andreas Gursky). Das Katalogbuch zur Ausstellung, erschienen im Hatje Cantz Verlag, hg. von Ralf Beil und Sonja Feßel, enthält erstmals Bildkommentare zu jedem ausgestellten Werk von Aleida Assmann, Jan Assmann, Dieter Bartetzko, Gernot Böhme, Elisabeth Bronfen, Wolfgang Pehnt u.a. (112 S., ca. 75 farbige Abb., € 39,80).

Heribert C. Ottersbach: Erziehung (Die Eltern), 2004Der Kölner Künstler Heribert C. Ottersbach (geb. 1960) versucht in seiner künstlerischen Arbeit nichts weniger als eine Neubewertung der Moderne. Aus vorgefundenen Materialien und eigenen zeichnerischen Entwürfen entwickelt der Maler seine Bildideen – darunter auch eine Vielzahl von architektonischen Sujets, für ihn "abstrakte, geometrische Figurationen einer durch 'die Erziehung' disziplinierten Gesellschaft" (Heribert C. Ottersbach). Ottersbachs Architekturdarstellungen tragen nicht selten ironisch-sarkastische Titel wie Aufbruch ins Gelobte Land oder Erziehungsmaschine. Ein deutlicher Verweis auf seine kritische Grundhaltung gegenüber der Moderne und ihren Manifestationen, deren Utopiegehalt wie Sinnverlust der Künstler in seinen Arbeiten in distanziert prüfender Bildsprache auslotet. Zur Ausstellung ist ein zweisprachiges Katalogbuch (dt./engl.) im Hatje Cantz Verlag erschienen, mit Essays von Ralf Beil, Kai-Uwe Hemken, Carola Kemme und Heribert C. Ottersbach sowie philosophisch-literarischen Texten von Michel Foucault, Friedrich Nietzsche und Fernando Pessoa (192 S., ca. 100 farbige Abb., € 39,80).

Beide Ausstellungen werden großzügig unterstützt von der Sparkasse Darmstadt sowie der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen.

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