"Rara
wachsen nach"
Einblicke in die Rarasammlung der Wissenschaftlichen Stadtbibliothek Mainz.
Ausstellung, bis 16. Februar 2008
Als am 1. Oktober 1477 die alte Mainzer Universität gegründet
wurde, übergab der Gründungsrektor der Mainzer Universität
– Jakob Welder aus Siegen – als erster 23 Bücher aus seinem
Privatbesitz. Diese Sammlung war von Anfang an als gemeinsame Universitätsbibliothek
gedacht. Doch der Aufbau ging nur langsam voran. In den ersten hundert Jahren
betrug der durchschnittliche Jahreszuwachs weniger als 70 Bände. Als die
Universität
schließlich 1730 in ein neues Gebäude zog und dorthin auch die
Bibliothek überführte, umfaßte diese knapp 7000 Bände.
Diese Situation änderte sich grundlegend mit der Auflösung des
Jesuitenordens im Jahre 1773. Der Universitätsbibliothek, die zu dieser
Zeit selbst kaum 10000 Bde besaß, fiel ein gut sortierter und wohlgeordneter
Bestand von ca. 30000 Bänden aus der Bibliothek des Mainzer Jesuitenkollegs
mit den Schwerpunkten Theologie, Philosophie, Geschichte, Philologie und
Jura zu. Den Jesuiten, sowie den 1781 aufgehobenen drei reichsten Klöster
der Stadt, Kartause, Reichklara und Altmünster, verdankt die Wissenschaftliche
Stadtbibliothek Mainz den Großteil ihres reichen Handschriften- und
Altbestands. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt erwartungsgemäß auf
den Fächern Theologie, Philosophie, Geschichte, Jura und Philologie.
"Liber
rarus, nostro tempore rarissimus" – Ein seltenes Buch, heutzutage
besonders selten – so lautet der Eintrag in einem Sammelband des frühen
16. Jahrhunderts, den der Mainzer städtische Bibliothekar im frühen
19. Jahrhundert dort vermerkt hat. Dass die Stadtbibliothek wertvolle und
seltene Druckwerke besitzt, war den Bibliotheken also bereits vor 200 Jahren
bewusst. Zu den Rara der Wissenschaftlichen Stadtbibliothek gehören auch
Sondersammlungen, z.B. die Sammlung aus dem Verlag Joseph Scholz-Mainz oder
die Sammlung von Jakob Moyat:
Lang
ist die Liste der wertvoller Zuwächse, Spenden und Nachlässe an
Handschriften und Büchern, die die Wissenschaftliche Stadtbibliothek
unter ihrem Dach vereinigt. Seit etwas mehr als 20 Jahren drückt sich
das Bewußtsein für die Notwendigkeit, besonders wertvolle und
seltene Druckwerke nach der Inkunabelzeit auch in besonderer Weise zu schützen
und zu erschließen, in einer sogenannten Rarasammlung aus. Hier werden
historisch, wissenschaftlich und literarisch herausragende Druckwerke, buchgeschichtlich
und buchkünstlerisch besonders wertvolle Ausgaben, Bücher mit speziellem
Wert für Mainz und die Mainzer Bibliotheksgeschichte oder Exemplare mit
individuellen Besonderheiten aufbewahrt. Aus anfänglich zwei Dutzend Büchern
ist inzwischen eine Sammlung von fast 6000 Bänden geworden, die räumlich
getrennt aufbewahrt, vorrangig und vertieft erschlossen werden und strengen
Benutzungsbedingungen unterliegen.
Die Ausstellung, die bis zum 16. Februar 2008 zu sehen ist, gibt erstmals
einen breiten Einblick in die Rarasammlung mit ihren historisch, wissenschaftlich
und literarisch herausragenden Druckwerken, buchgeschichtlich und buchkünstlerisch
bemerkenswerten Ausgaben, Büchern mit speziellem Wert für Mainz
und die Mainzer Bibliotheksgeschichte und Exemplaren mit individuellen Besonderheiten.
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