Bruce
Rogers. Book Designer
Ausstellung Gutenberg-Museum Mainz, bis 27. Januar 2008
Bruce Rogers (USA, 1870-1957) gilt als einer der bedeutendsten Buchgestalter
und Typografen des 20. Jahrhunderts. Aus Anlass seines 50. Todestages zeigt
das Gutenberg Museum eine Auswahl von mehr als 50 Werken: Von den frühen,
noch ganz durch spielerische Adaption historischer Stile geprägten Bücher
(period printing) für die Riverside Press (1900-1911) über Arbeiten
als freischaffender Buchgestalter für große amerikanische und
englische Verlage bis zu den Meisterwerken der dreißiger Jahre: Die
Odyssee in der Übersetzung Lawrence von Arabiens (1932) und die monumentale
Oxforder Altarbibel (1935). 1915 entwarf Rogers die Centaur-Antiqua, die
ab 1929 als Monotype-Version weite Verbreitung fand. Die meisten Exponate
werden erstmals in Deutschland zu sehen sein.
Mit
Bruce Rogers präsentiert das Gutenberg-Museum einen Einblick in die
Typografie der Vereinigten Staaten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts,
die auch auf europäische Buchgestaltung Einfluss hatte. Sein Werk steht
beispielhaft für bestimmte Tendenzen des Buchschaffens dieser Epoche
und ist auch deswegen in der Rückschau von Bedeutung. Um die Wende vom
19. zum 20. Jahrhundert kam eine Generation amerikanischer Buchgestalter
auf, die sich internationalen Ruf erwarb. Die wichtigsten waren D. B. Updike,
Bruce Rogers, Frederic Goudy, W. A. Dwiggins, Carl P. Rollins, T. M. Cleland
und Will Bradley.
William Morris' Buchkunstbewegung seit 1891 war die Basis, auf der sich
die Fine-Print-Szene in den USA zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickeln
konnte. Um 1900 war deutlich eine Verbesserung in der Gestaltung und Ausstattung
von Büchern in Amerika zu verzeichnen. D. B. Updike und Bruce Rogers
befassten sich bei der Riverside Press, Cambridge, Massachusetts, als erste
mit dem Design und der Herstellung schön gemachter Bücher. Bruce
Rogers spielte frei und geschmackssicher mit allen Epochen, er adaptierte
jeweils, was er für ein spezielles Projekt als passend empfand.
Seine
besondere Stärke bestand darin, dass er beim Großteil seiner Werke
die entscheidenden Werte, die die Tradition anbot, bewahrte, dass er in der
Lage war, sich in der "Sprache" der Tradition auszudrücken.
Mit dieser Fähigkeit schuf er Bücher von unübertroffener Stilsicherheit,
Würde und Kraft, eine Leistung, die nur durch Selbstdisziplin, Kenntnisse
der Kunst- und Typografiegeschichte und Einfühlungsvermögen zu
erreichen war. Ungeachtet seiner unverschlüsselten Bezugnahme auf die
Historie der Typografie atmen seine Bücher stets eine eigene Freiheit
in der Gestaltung, sie besitzen eindeutig, was Will Ransom einmal als "the
touch of magic" bezeichnet hat. Bruce Rogers folgte unbeirrt seinem
eigenen Maßstab, jedes seiner Bücher sollte so in Erscheinung
treten, wie es nach dem Gefühl einzig richtig war. Das Resultat gab
ihm Recht, noch heute lassen seine Werke die Augen von Typografen und Bücherliebhabern
leuchten.
Kurator der Ausstellung ist der Bibliothekar und Buchsammler Hans Eckert.
Leihgaben stammen nicht nur aus seiner eigenen Privatsammlung, sondern auch
vom renommierten Grolier-Club, New York, sowie der Universitätsbibliothek
von Birmingham.
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Mainz