Lucas Cranach d. Ä.: Venus, 1532

Cranach der Ältere

Ausstellung Städel Museum Frankfurt, bis 17. Februar 2008

Lucas Cranach der Ältere (1472-1553), der große Maler der Reformationszeit, hat mit seinem umfangreichen OEuvre die Bildwelt der Deutschen wohl am nachhaltigsten geprägt. Religiösen Themen hauchte er völlig neues Leben ein, für den reformierten Glauben schuf er neue Bildtypen. In seinen erotischen Darstellungen entwarf Cranach ein zeitloses Ideal weiblicher Schönheit, das noch im 20. Jahrhundert Künstler wie Pablo Picasso und Alberto Giacometti angeregt hat. Was machte Lucas Cranach so erfolgreich? Unter dieser zentralen Fragestellung versammelt das Städel Museum eine Auswahl von über 100 Werken aus allen Schaffensphasen und präsentiert damit einen hochkarätigen Querschnitt durch Cranachs Werk.

Lucas Cranach d. Ä.: Martin Luther, 1529Seinen Erfolg verdankte er vor allem der hohen Qualität seiner Werke. Cranachs Talent lag auch in seinem sicheren Umgang mit unterschiedlichen Auftraggebern des Hochadels und altgläubigen Klerus, reichen Patriziern sowie den Anhängern Luthers. Diese Diversifizierung ging über die bildende Kunst hinaus: Zu Cranachs Imperium gehörte auch eine Apotheke mit Weinausschank, er tätigte Immobiliengeschäfte und betrieb eine Druckerpresse, war Verleger und Buchhändler. Lucas Cranach verstand es, Kunst und Kommerz zu seinem Vorteil zu verbinden. Als Sohn eines Malers aus Kronach in Franken machte der ehrgeizige Cranach seinen entscheidenden Karrieresprung am Hof des sächsischen Landesherrn Friedrich des Weisen. Von jenem wurde Cranach auch das rätselhafte Schlangensignet verliehen, das bald zu seinem unverwechselbaren Markenzeichen wurde und die Bilder seiner Werkstatt bezeichnete.

Cranach entwickelte einen einzigartigen Stil, der von seinen Mitarbeitern perfekt umgesetzt werden konnte. Als Bildnismaler steht Cranach gleichberechtigt neben den bedeutendsten deutschen Porträtisten des 16. Jahrhunderts. Dabei zeigen seine Porträts weniger das Streben nach einer rein objektiven, naturgetreuen Wiedergabe als vielmehr den Versuch, die Dargestellten auch durch Emotionen zu charakterisieren.

Lucas Cranach d. Ä.: Kardinal Albrecht von Brandenburg als Hl. Hieronymus in der Studierstube, 1525In Wittenberg etablierte sich der Künstler rasch und baute durch sein unternehmerisches Geschick ein gewaltiges Kunstimperium nördlich der Alpen auf. Eng befreundet mit Martin Luther avancierte Cranach zum Propagandisten der protestantischen Lehre. Seine Porträts von Luther wurden in Serie gemalt und verbreitet. Cranach war maßgeblich an der Entwicklung einer protestantischen Bildsprache beteiligt, blieb aber gleichzeitig auch einer altgläubigen Auftraggeberschaft treu: Traditionelle Madonnen- und Heiligenbilder entstehen weiterhin in großen Stückzahlen.

Cranachs unerschöpfliche Gabe zu neuen Bildformulierungen zeigt sich schließlich in seinen Darstellungen profaner und mythologischer Inhalte. Ungleiche Paare, Venus und Amor oder die Taten des Herkules werden in zahlreichen Versionen durchgespielt. Zur Spezialität werden dabei erotische Aktdarstellungen, in denen Cranach einen idealisierten, zierlich-eleganten Typus der "Kindfrau" entwickelt, der in immer neuen Variationen und Kontexten zur Darstellung kommt. Auch wenn Cranach bis ins hohe Alter selbst zum Pinsel griff, band er seine Söhne frühzeitig in den Werkstattbetrieb ein. Nach dem Tod Lucas Cranachs d. Ä. 1553 wurde das Familienunternehmen unter der Leitung des Sohnes Lucas d. J. weitergeführt.

Eine Ausstellung der Schirn Kunsthalle Frankfurt und der Royal Academy of Arts, London. Der von Bodo Brinkmann herausgegebene Katalog mit 400 S. und 325 meist farbigen Abbildungen kostet 34,90 €.

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