August Huber und Sabor IV, 1945

Die Roboter kommen!

Mensch – Maschine – Kommunikation. Ausstellung Museum für Kommunikation Frankfurt, bis 10. Februar 2008

Roboter haben den modernen Lebens- und Arbeitsalltag des Menschen erobert. Sie montieren Autos, spielen Fußball oder helfen im Haushalt. Fast scheint es, dass der Traum vom allzeit willigen Helfer, den Literatur und Science-Fiction seit Jahrhunderten ausgemalt haben, Realität geworden ist. Die neue große Ausstellung "Die Roboter kommen!", die bis 10. Februar 2008 im Museum für Kommunikation Frankfurt zu sehen ist, zeigt die facettenreiche Geschichte der Roboter zwischen Kunst und Technik. Musikautomaten des 18. Jahrhunderts, Skizzen aus dem Umkreis des "Bauhauses" und legendäre Werberoboter der 1950er Jahre dokumentieren die anhaltende Faszination der Maschinenmenschen. In der künstlichen Atmosphäre eines blauen Raumes treten diese aus der Fiktion in die Wirklichkeit der Museumsbesucher. Den neuesten Stand der Robotik veranschaulichen moderne Forschungsroboter, darunter der humanoide Roboter "ARMAR II", der Türen öffnen und schließen, Gegenstände transportieren und die Spülmaschine ausräumen kann.

Die Geschichte der Robotik beginnt mit dem Blick auf die große Zeit der mechanischen Experimente im 16. Jahrhundert. Im Zentrum stand zunächst die Erforschung des menschlichen Bewegungsapparats. Das mechanische Uhrwerk, als die erste sich selbst bewegende Maschine, entwickelte sich im 18. Jahrhundert zu einem Symbol des menschlichen Leibes, den die Philosophen auf Basis der neuen anatomischen Erkenntnisse als Maschine sehen wollten. 1805 entwickelte Joseph-Marie Jacquard den ersten mechanischen Webstuhl, dessen Funktionen Lochkarten koordinierten und speicherten. Dieses System revolutionierte die vorindustrielle Arbeitswelt und darf als Vorläufer der modernen Arbeitsroboter und Rechenmaschinen gelten.

Edouard R. Diomgar und Didier Jouas-Poutrel: Les Robots Music, 1958Als Fortsetzung der mechanischen Erkenntnisse von Anatomie und Konstruktionstechnik erscheinen Automaten des 18. Jahrhunderts, die mit menschlichen Zügen ausgestattet sind und musizieren, schreiben oder sich tänzerisch bewegen konnten. Die um 1816 gebaute Figur eines Trompeters spielte sechs auf einer Stiftwalze gespeicherte Melodien. Die in ihrer Zeit weltberühmte Schach spielende und in dieser Disziplin unbesiegbare Figur eines Türken des Bastlers Wolfgang von Kempelen aus dem Jahr 1789 legte jedoch den Gedanken nahe, dass es sich um eine geniale Täuschung handeln könne. Man vermutete, dass sich im Inneren ein guter Schachspieler verbarg, der die Mechanik steuerte. Eine frühe Verbindung von Mensch und Maschinenmechanik stellen die schon seit dem 16. Jahrhundert gebräuchlichen künstlichen Glieder dar. Zu sehen ist die Handprothese des legendären Ritters Götz von Berlichingen, mit der er Gegenstände festhalten konnte. Die Ersatzhand, die den menschlichen Körper in mechanischer Weise ergänzt, verwischte die Grenze von Organik und Anorganik, denn sie machte Teile des Menschen robotergleich.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts nahmen die Utopien von einer automatisierten Zukunft im neuen Medium Kino konkrete Formen an. Der erste deutsche Roboter tauchte 1916 auf der Leinwand auf. Von Anfang an spielten die Roboter in den Filmen eine zwiespältige Rolle. Einerseits versprachen sie, den Menschen von der körperlichen Schwer-arbeit zu entlasten, andererseits verband sich mit ihnen die geheime Bedrohung einer außer Kontrolle geratenen Technik. In Harry Piels "Der Herr der Welt" (1934) werden die Roboter anfangs beargwöhnt und erweisen sich dann als produktive Helfer. Nicht anders verhält es sich in der sowjetischen Produktion „Gibel' Sensacii“ (1935), beide Filme sehen in den Robotern auch Instrumente zur Durchsetzung politischer Ideologien.

robotlab: autoportrait, 2002Die Bildende Kunst dieser Zeit, in der Ausstellung durch das Bauhaus repräsentiert, interessierte dagegen für die Logik mechanischer Körperbewegungen. Theaterprojekte, in denen maschinenähnliche Tänzer oder Marionetten die Hauptrollen spielten, sind Beispiele für diese Experimente. Von ihnen zeugen Oskar Schlemmers Theaterfigurinen. Robotermarionetten faszinierten auch die Dadaisten wie Sophie Taeuber-Arp. Ihre Theatermarionette "Wache" veranschaulicht die konstruktivistische Phantasie der DADA-Bewegung. Sie parodiert aber auch den sich zuweilen kriegerisch-martialisch gebenden Maschinenglauben der italienischen Futuristen. Eine Reihe moderner Künstler nimmt heute diese Traditionen auf. In Frank Fietzek und Uli Winters "Watschendiskurs" (2004) führen bewegliche Stoffpuppen einen handfesten sprachtheoretischen Disput. Die Sängerin Björk agiert 1999 im Video zu "All is full of love" als empfindsame Roboterandroide.

Die Utopie vom androiden Roboter entwarf in den 1950er Jahre die Werbung auf unterhaltsame Weise. Mit menschlichen Zügen und Körperformen ausgestattete Roboter wurden mit großem Erfolg weltweit vorgeführt. Besonders populär war der 2,37 Meter große Sabor aus der Schweiz. Er konnte rauchen und spazieren gehen und flirtete hin und wieder mit seinem weiblichen Publikum. Zu sehen ist Nummer V der Sabor-Reihe. Neben ihm erzählt der Werberoboter Roberto von der Faszination der scheinbar autonomen Technik, die tatsächlich durch Fernsteuerung funktionierte. Als überlebens-große Blechriesen riefen die Werberoboter mit ihren unbeholfenen Bewegungen zwar Staunen und Sympathie hervor. Sie waren als praktische Arbeitshilfen aber ungeeignet.

Wie es um die Robotik heute steht, zeigt der Blick in die Forschungslabors. Moderne Roboter sind lernfähige Wesen, die in Interaktion mit dem Menschen treten. Je nach Einsatzzweck können sie sich dabei in ihrer äußeren Form von ihren älteren androiden Vorläufern entfernen. Häufig gleichen Forschungsroboter Insekten. Wo sie zum Einsatz kommen, arbeiten sie für den Menschen an lebensfeindlichen Orten: In der Tiefsee, im Weltraum oder unter der Erde. Roboter, die in der menschlichen Umgebung tätig sind, tragen dagegen äußerlich wieder Züge der androiden Maschinenmenschen. Moderne Serviceroboter, die staubsaugen oder die Geschirrspülmaschine ausräumen können, sehen wie freundliche Hausgenossen aus. Ganz neue Formen der Vernetzung von Mensch und Maschine erproben derzeit Informatiker und Mediziner. Sie arbeiten daran, Hirnaktivitäten auf dem Bildschirm umzusetzen, um so eine mentale Schreibmaschine für körperbehinderte Menschen zu entwickeln. Während die meisten dieser Maschinen dem Menschen helfend zur Seite stehen, treten andere an seine Stelle. Das gilt für Industriebetriebe, in denen ausgewählte Produktionsstraßen bereits vollständig automatisiert sind, aber auch für den Sport. Bei Kamel-Rennen in den Golfstaaten reiten Roboter, da der Einsatz von Kinder-Jockeys dort verboten ist, und mit den RoboCups haben Maschinen sogar den internationalen Fußballsport erobert. "Trifftnix" und "Passtnix" treten bislang allerdings noch nicht gegen Bastian Schweinsteiger oder Lukas Podolski an. Das Kräftemessen zwischen Mensch und Roboter bleibt der Zukunft vorbehalten. Vorerst noch – denn im Jahr 2050 soll Anpfiff zum ersten Fußballmatch dieser Art sein.

Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA in Stuttgart, der Begleitkatalog (152 S.) kostet 19,80 €. Im Rahmenprogramm "produziert" die Schauspiel-Maschine des Ampere-Theaters "IMPROBOTIK – Theater im Akkord" am Freitag, 16. November um 20 Uhr, im Januar können Kinder in Workshops fantasievolle Roboter aus Holz, Kunststoff, Pappe, Blech usw. bauen (8.-11. Januar).

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