Blauer Fayenceteller von Fügen ÖzerVon der Ewigkeit des Augenblicks

Die Entwicklung türkischer Fayencemotive. Ausstellung Historisches Museum Hanau – Schloss Philippsruhe, bis 6. Januar 2008

Im Jahre 1661 wurde in Hanau die erste Fayencemanufaktur auf deutschem Boden gegründet. Dieser Tradition verpflichtet, zeigt das Historische Museum Hanau – Schloss Philippsruhe in dieser Sonderausstellung mit modernen Zeugnissen eines alten Kunsthandwerks die lange Tradition und hohe Kunstfertigkeit der türkischen Fayencemalerei. Zu sehen sind die Arbeiten von vier türkischen Künstlerinnen aus Kütahya und Eskisehir, zwei mittelgroßen, im Westen Anatoliens gelegenen Universitätsstädten. Vor allem Kütahya präsentiert sich heute – bedingt durch ständige, konsequente Entwicklung seit dem 17. Jh. – mit einer Vielzahl von Ateliers, Werkstätten und Ausbildungszentren führend im freien, künstlerischen Bereich und ebenso an der Spitze der kulturell wie wirtschaftlich bedeutenden türkischen Keramikindustrie.

Hacer Özkaya beim Ausmalen eines FayencetellersNeben Ziertellern und Fliesen zeigen die vier zeitgenössischen Künstlerinnen Fügen Özer, Hacer Özkaya, Sevcan Vatansever und Zehra Serbest auch Vasen und andere dreidimensionale Objekte. Ihr Schaffen liegt im Spannungsfeld zwischen traditioneller islamischer Ornamentierung sowie eigenwilliger Gestaltung und ironischer Rezeption.

Özer und Özkaya bemalen Teller, Fliesen, Kannen und Platten in Anlehnung an den traditionellen seldschukischen und osmanischen Stil. Die polychromen oder kobaltblauen Keramiken mit floralem Dekor bzw. geometrischem Ornament bestechen durch die Präzision der Zeichnung und leuchtende Farbigkeit.

Grau-weißer Fayenceteller von Zehra SerbestSevcan Vatansevers Arbeiten sind geprägt von der Kunst der Kalligraphie. Ihre fast meditative Malerei inszeniert die islamische Schriftkunst und geht weit über das rein Dekorative hinaus. Zehra Serbest schließlich zitiert in ihren kreamischen Objekten die traditionelle Ornamentik und kombiniert sie mit klasssich moderner Form und Gestaltung. Ein umfangreiches Programm auch für Kinder in deutscher und türkischer Sprache begleitet die von Ingo Nitzsche kuratierte Ausstellung, der Katalog kostet 10,- €.

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