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Kunstmaschinen MaschinenkunstAusstellung Schirn Kunsthalle Frankfurt, bis 27. Januar 2008 Allgemein gehen wir davon aus, dass Künstler Kunst machen – was aber geschieht, wenn Maschinen Kunst produzieren? Werden aus Künstlern dann Ingenieure? Was bedeutet der scheinbare Rückzug des Künstlers aus dem kreativen Akt, und welche Konsequenzen resultieren daraus für Originalität und Einzigartigkeit des Kunstwerks? Was ist dann überhaupt das Kunstwerk: die Maschine, das Produkt oder der Akt seiner Herstellung? Beginnend mit Jean Tinguelys Zeichenmaschinen aus den 1950er Jahren werden in einer von der Schirn und dem Museum Tinguely in Basel gemeinsam konzipierten Ausstellung Kunstmaschinen bis hin zur Gegenwart gezeigt, die eines gemeinsam haben: sie produzieren ihrerseits Kunst. Maschinen von Künstlern wie Angela Bulloch, Olafur Eliasson, Damien Hirst, Rebecca Horn, Jon Kessler, Tim Lewis, Lia, Miltos Manetas, Roxy Paine, Steven Pippin, Cornelia Sollfrank, Antoine Zgraggen und Andreas Zybach verwandeln die Kunsthalle in eine Produktionshalle. Dem maschinellen Produktionsprozess entsprechend können einige Werke wie Tinguely-Maschinen-Zeichnungen oder durch Stempel zertifizierte Blätter von Damien Hirst oder Olafur Eilasson von den Ausstellungsbesuchern mitgenommen werden. Andere, digitale Werke können von den Besuchern in der Ausstellung und im Internet z. B. auf den Websites von Lia oder von Miltos Manetas selbst hergestellt werden.
Die Ausstellung "Kunstmaschinen Maschinenkunst" setzt im 20. Jahrhundert mit dem Werk Jean Tinguelys ein, in dem sich die Auseinandersetzung mit der Maschine als eigenständigem kreativem Apparat in originärster Weise manifestiert. Seine "Méta-Matics", die erstmals 1959 in Paris ausgestellt wurden und mit denen er internationales Renommee erwarb, sind motorbetriebene Zeichenmaschinen, mit denen der Betrachter abstrakte Zeichnungen herstellen kann. Die Diskrepanz zwischen der Materialität der "Méta-Matics" und ihrer Funktion, Kunst zu produzieren, kann durchaus als ironischer Kommentar auf den damals vorherrschenden Glauben an den technischen Fortschritt verstanden werden. Zudem zeigt sich darin ein Reflex auf den Kunstkontext der 1950er Jahre: Die maschinell erstellten Zeichnungen entsprechen stilistisch der Malerei des Tachismus und führen so die Vorstellung von gestischer Abstraktion als unmittelbarem Ausdruck eines künstlerischen Individuums ad absurdum. Diese Werkgruppe bildet gewissermaßen als historischer Grundstock die Basis der Ausstellung. Hier knüpft eine Auswahl von Arbeiten an, die eines gemeinsam haben: Der schöpferische Akt wird vom Künstler an die Maschine delegiert – ein Vorgang, der in letzter Konsequenz erst ab dem Ende des 2. Weltkriegs möglich war, als eine Generation junger Künstler antrat, mit einem der bestgehüteten Tabus der europ äischen Kunst zu brechen: der Idee des Originalkunstwerks.
Das Verhältnis zwischen Künstler, Kunstwerk und Betrachter wird in allen Arbeiten thematisiert, ist jedoch nicht immer Ausgangspunkt der Arbeit. Darüber hinaus erlaubt die Kunstmaschine die Beteiligung des Publikums und ermöglicht eine massenhafte Kunstproduktion, die deutlich mit der Aura des unwiederholbaren Kunstwerks bricht. Auch wenn der Betrachter bei manchen Werken nicht unmittelbar in die Produktion involviert ist, erhält er Einblick in diese und damit die Möglichkeit der Reflexion darüber, wo das Kunstwerk beginnt. Nie wird es dem Künstler jedoch gelingen, endgültig aus dem Werk zu verschwinden. Die Kunst produzierende Maschine bleibt ein Werkzeug, solange sie sich in den Parametern des Künstlers bewegt. Erst in dem Moment, in dem sie eigenständig handelt und auf Situationen autark reagiert, kann sich die Frage nach der Autorschaft ändern. Die Kreativität der Kunstmaschine erweist sich erst in dem Moment, in dem sie unkontrolliert, dem Zufall überlassen schafft. Die Maschine kann ohne die Anwesenheit des Künstlers produzieren, aber sie kann nie ohne die Idee des K ünstlers existieren. Eine Ausstellung der Schirn Kunsthalle Frankfurt und des Museum Tinguely, Basel, unterstützt durch die Škoda Auto Deutschland GmbH sowie die Art Mentor Foundation Lucerne. Der Katalog in deutscher und englischer Sprache umfasst ca. 160 S. und 130 Abb., 24,- €. |
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