Michael Triegel: Flora, 2007Mattheuer, Tübke, Triegel –
eine Frankfurter Privatsammlung

Ausstellung Museum Giersch, Frankfurt, 23. September 2007 bis 27. Januar 2008

Das MUSEUM GIERSCH setzt mit der Ausstellung "Mattheuer, Tübke, Triegel – eine Frankfurter Privatsammlung" eine Reihe fort, die in unregelmäßiger Folge ausgesuchte Beispiele des breit angelegten und vielfältigen privaten – historischen wie zeitgenössischen – Sammlungswesens in der Region Rhein-Main vorstellt. Mit 60 ausgewählten Werken widmet sich diese Ausstellung der Kollektion eines Frankfurter Unternehmers, der seit 1994 beachtliche Konvolute der drei ostdeutschen Künstler Wolfgang Mattheuer, Werner Tübke und Michael Triegel zusammenträgt. Diese Leipziger Künstlerpersönlichkeiten gehörten der berühmten Hochschule für Graphik und Buchkunst (HGB) zu unterschiedlichen Zeiten an – Mattheuer zeitweise und Tübke längerfristig spielten als Lehrer eine wichtige Rolle an dieser Institution zu Zeiten der DDR, Triegel steht als ehemaliger Student repräsentativ für die "neue" Leipziger Schule nach der Wiedervereinigung. Alle drei Künstler prägt eine umfassende Kenntnis und intensive Reflexion künstlerischer Stilvokabularien, die sie in ihre figürlichen und realistisch geprägten Bildwelten einfließen lassen. Gemeinsam ist ihnen die Verschmelzung von historischen und aktuellen, von phantastischen und realen Bildelementen, jedoch steht dem die Differenz einer jeweils originären, stilistischen Individualhandschrift gegenüber.

Wolfgang Mattheuer: Familie am Strand II, 1964Wolfgang Mattheuer (1927-2004), frühzeitig zur offiziellen Parteidoktrin auf Distanz gegangen, verarbeitete seine Lebenserfahrungen in einer eigenständigen symbolischen Bildwelt, die sich kunsthistorisch auf die Romantik und auf die klassische Moderne bezieht. Mit realistischen, mythologischen und literarisch geprägten Sinnbildern, wechselweise in Malerei, Graphik und Plastik ausgeführt, kommentierte und kritisierte er die gesellschaftlichen Verhältnisse seiner Zeit. Wobei er immer auch seine eigene Position hinterfragte. Neben Landschaftsdarstellungen seiner Heimat wiederholen sich in Mattheuers Figurenbildern Leitmotive wie die Maske oder die tragische Gestalt des Ikarus, der Sisyhos und des Prometheus. Mit diesem Bildrepertoire verweist Mattheuer immer wieder auf das überzeitliche Drama des menschlichen Lebens, auf die Zwiespältigkeit des Einzelnen wie der Gesellschaft zwischen Hoffnung und Resignation.

Werner Tübke: Hirte aus Militello, 1974Werner Tübke (1929-2004) fand nach anfänglicher Auseinandersetzung mit dem sozialistischen Realismus seine Formensprache in der Hinwendung zu den Meistern der Hochrenaissance, des Manierismus und des Barock. Insbesondere der Manierismus mit seiner subjektiven Brechung einer realistischen Formauffassung bestimmt die Ausdruckskraft seiner eigenwilligen Handschrift. Mit der Besinnung auf künstlerische Traditionen entzog Tübke sich einem staatlich verordneten Formenkanon und gelangte zu assoziationsreichen Deutungsmöglichkeiten, die sich auch kritisch auf die Zeitgeschichte bezogen. Als Summe seiner koloristischen und formalen Virtuosität gilt sein monumentales Bauernkriegspanorama in Bad Frankenhausen, ein zwischen 1976 und 1987 ausgeführter Staatsauftrag, mit dessen Realisierung Tübke gleichsam seine Ahnung der nahen Epochenwende verbildlichte.

Michael Triegel (geb. 1968), der bereits in jungen Jahren auf eine sehr erfolgreiche Künstlerlaufbahn blickt, orientiert sich – wie Werner Tübke – an den italienischen Meistern der Renaissance und des Manierismus und nennt seine Malweise entsprechend "Bella Maniera". Seine figürlichen Bildideen basieren inhaltlich auf der Auseinandersetzung mit christlichen und mythologischen Themen und formal auf der Rezeption altmeisterlicher Malerei. Die Abbildhaftigkeit seiner hyperrealistischen Malerei, die sich mit religiöser und mythologischer Historie, mit Landschaft, Porträt und Stilleben allen Gattungen widmet, erfährt durch subjektive Kombinationen unterschiedlichster Bildelemente, oftmals verbunden mit selbstinszenatorischer Vergegenwärtigung, rätselhafte Irritationen.

Die drei Künstler Mattheuer, Tübke und Triegel sind in der Frankfurter Privatsammlung mit wichtigen Hauptwerken aus allen Schaffensphasen vertreten, wobei das Mattheuer-Konvolut als die umfangreichste Kollektion in Privatbesitz gilt. Einige bedeutende Werke übergab der Sammler bereits als Dauerleihgaben und Schenkungen in Museen, die sich aufgrund ihrer konzeptionellen und thematischen Ausrichtung oder aber wegen ihrer lokal-, regional- und nationalhistorischen Sammlungsverpflichtung für die Werke der drei Künstler engagieren: In Berlin die Neue Nationalgalerie, in Bonn das Haus der Geschichte, in Leipzig das Museum der Bildenden Künste und in Würzburg das Museum am Dom, sowie in Kürze die Kunsthalle Mannheim. Mit seiner neuen Austellung lenkt das MUSEUM GIERSCH den Blick sowohl auf die rege private Sammeltätigkeit in Frankfurt am Main als auch auf historische wie zeitgenössische Künstlerpersönlichkeiten unserer Partnerstadt Leipzig.

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