Gaudí Unseen
Die Vollendung der Sagrada Familia. Ausstellung Deutsches Architektur-Museum,
Frankfurt, 15. September bis 2. Dezember 2007
Antoni Gaudí war einer der kreativsten Entwerfer seiner Zeit. Aus
seiner Verehrung für den Formenreichtum der natürlichen Welt speiste
sich die bis heute viel bewunderte Mannigfaltigkeit in der Gestalt seiner
Bauwerke. So gilt denn auch der Blick der meisten Publikationen zu seinen
Bauten eben dieser verschwenderischen Fülle, die Gaudí in über
48 Berufsjahren als Architekt entwickelt hat. Anders ausgedrückt: Das
Entwurfsergebnis von Gaudís Arbeit ist wohl bekannt und wird zu Recht
gerühmt.
Wie
aber verhält es sich mit dem Entwurfsprozess? Als Gaudí 1926
an den Folgen eines Unfalls mit einer Straßenbahn verstarb, hinterließ er
keine schriftlichen Aufzeichnungen, die die Entwicklung seiner Entwürfe
beschreiben. Wie aber hat Gaudí die komplizierten Oberflächen
seines Entwurfs der Sagrada Familia den Handwerkern und Steinmetzen vor Ort
auf der Baustelle beschrieben? Allein schon durch die Dimensionen des Projektes
wird diese Problematik augenfällig.
Allein die von ihm gefertigten Gipsmodelle und einige fertiggestellte Teile
der Sagrada Familia sind uns geblieben, um Gaudís architektonisches
Denken zu rekonstruieren. Die Analyse dieser Hinterlassenschaften hat gezeigt,
das Gaudí in der Spätphase seines Werks einen einzigartigen Entwurfsweg
beschritten hat. Er verwendete ausgeklügelte Geometrien als Instrument
zur Beschreibung der Bauteile. Damit etablierte er einen Kodex, der den Schlüssel
zu dem Formenreichtum in sich birgt – und damit auch die gegenwärtige
Arbeit an der Vollendung der Kathedrale bestimmt.
Die Ausstellung ist in enger Kooperation mit dem Spatial Information Architecture
Laboratory (SIAL) des Royal Melbourne Institute of Technology (RMIT) und
der Temple Expiatori de la Sagrada Familia entstanden.
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