Georg Kobenhaupt: Bacchuspokal, 1567

Die Darmstädter Silberkammer. Werke alter Edelschmiedekunst

Ausstellung Museum Schloss Fasanerie, Eichenzell, 7. Juli bis 31. Oktober 2007

Die Ausstellung im Badehaus präsentiert Tafel- und Schausilber des 16. bis 19. Jahrhunderts aus der Silberkammer der Großherzöge von Hessen-Darmstadt. So wie andere fürstliche Familien in Deutschland besaß auch das landgräfliche und später großherzogliche Haus Hessen-Darmstadt eine Sammlung kostbarer Gold und Silbergegenstände. Ein großer Teil dieses Besitzes wurde bei der Bombardierung Darmstadts im September des Jahres 1944 ein Opfer der Flammen. In der Ausstellung sind die noch erhaltenen Schätze der Darmstädter Silberkammer vereint und werden in diesem Zusammenhang zum ersten Mal der Öffentlichkeit gezeigt. Darunter befinden sich Einzelteile eines schweren barocken Silberservices aus dem Besitz Landgraf Ludwigs VIII. Das Service wurde in Straßburg geschaffen und kam über die Gemahlin des Landgrafen – eine Prinzessin von Hanau-Lichtenberg – nach Darmstadt. Andere Silbergegenstände für den täglichen Gebrauch wurden aus Augsburg und Paris bezogen.

Augsburger Tischbrunnen, 17. Jh.Zu Schau- und Repräsentationszwecken dienten die zahlreich erhaltenen sogenannten Traubenpokale, hergestellt von berühmten Goldschmieden des 17. Jahrhunderts in Nürnberg und Augsburg. Kunstvoll getrieben sind die Gefäßteile dieser Pokale wie eine goldene Weintraube geformt, während die Schäfte als silberne Baumstämme gearbeitet sind, an denen sich holzfällende Gnome oder kleine Affen entdecken lassen. Höhepunkte der Ausstellung sind drei große Tischbrunnen aus den Werkstätten berühmter Augsburger Silberschmiedfamilien. Diese Gefäße waren ursprünglich dafür gedacht, Wein mit Wasser zu mischen, im 17. Jahrhundert dienten sie aber vornehmlich als Schmuck für die festlich gedeckte Speisetafel.

Das Trinken an sich wurde zum Ereignis, ja zum Gesellschaftsspiel erhoben. Schiffe, Tiere und groteske Figuren, kunstvoll aus Gold, Silber und anderen edlen Materialien gearbeitet, waren der Stolz großer Hofhaltungen, und gerne präsentierte man die wertvollen Gerätschaften auf der Kredenz oder der gedeckten Tafel. "Willkomm" hießen die Pokale und Becher, die man zur Begrüßung gereicht bekam, "Trinkspiel" war die Bezeichnung für Gefäße, die man zur allgemeinen Belustigung zu leeren hatte, immer in der Gefahr, sich zu begießen, eigenartige Geräusche zu produzieren oder sich sonstwie zu blamieren.

Eine herausragende Stellung in Größe und Kostbarkeit nahmen die sogenannten Tafelbrunnen ein. Zum einen konnten sie zum Erfrischen und Reinigen der Hände eingesetzt werden, wozu das Wasser nicht selten mit Orangen- oder Rosenblüten aromatisiert wurde. Zum anderen eigneten sie sich als Mischgefäße. Die äußerst raffinierte Konstruktion ermöglichte über verschiedene Gefäßebenen das Mischen von Wein und Wasser am Tisch und machte diesen Vorgang für die Gäste zum Erlebnis. Hatte man bei der Herstellung dieser Brunnen weder Kosten noch Mühen gescheut, so waren sie doch dazu gedacht, durch das Verdünnen des Weines gezielt die Tugend des Maßhaltens augenfällig zu machen. Nicht von ungefähr war Landgraf Ludwig V. von Hessen-Darmstadt (1577-1626), aus dessen Hofhaltung die gezeigten Brunnen stammen, Mitglied eines 1601 von Landgraf Moritz von Hessen-Kassel gestifteten Ordens "Temperantiae". Dieser war gegründet worden, speziell um dem übermäßigen Trinken entgegenzuwirken. Jedes der zwölf hochadeligen Mitglieder verpflichtete sich, täglich nur eine begrenzte Zahl von Bechern Wein zu sich zu nehmen.

Großes Straßburger Speiseservice, ca. 1736Der größte Teil des Darmstädter Silberservices wurde in der Großherzoglichen Silberkammer, die sich im Darmstädter Residenzschloss befand, aufbewahrt. Dort sind im Zweiten Weltkrieg fast alle Teile des Services bei der Zerstörung Darmstadts in der sogenannten Brandnacht, am 11. September 1944, vernichtet worden. Nur wenige Stücke dieses Silberschatzes konnten beschädigt geborgen und später restauriert bzw. rekonstruiert werden. Gefertigt wurde das Service von zwei Vertretern der wohl bedeutendsten Silberschmiedfamilien, die in Straßburg vom 17. bis ins 19. Jahrhundert tätig waren. Johann Ludwig II. Imlin (1694-1764) schuf die Mehrzahl der Stücke. Von ihm ist bekannt, dass er insgesamt drei silberne Service im Auftrag deutscher adeliger Familien herstellte.

Die Ausstellung spannt einen Bogen vom Bacchuspokal des 16. Jahrhunderts, der den Gott des Weins mit einem Fasskörper darstellt, bis hin zur Toilette-Garnitur aus der Zeit des Jugendstils, gefertigt vom Hofsilberwarenlieferant Ernst Ludwig Vietor für Großherzogin Eleonore von Hessen-Darmstadt. Der Katalog mit zahlreichen farbigen Abbildungen kostet in der Ausstellung 19,40 €. Öffnungszeiten Dienstag bis Sonntag 11 - 17 Uhr.

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