NEU
BAU LAND. Architektur und Stadtumbau in den neuen Bundesländern
Ausstellung im Deutschen Architektur Museum Frankfurt, bis 26. August 2007;
Young Americans. Neue Architektur in den USA, bis 2. September 2007
Die Ausstellung NEU BAU LAND zieht die erste große (Zwischen-)Bilanz
des Bau- und Stadtumbau-Geschehens in den neuen Bundesländern. In den
letzten anderthalb Jahrzehnten sind viele der besten baukulturellen
Leistungen Deutschlands aus dem Osten der Republik hervorgegangenen. Politische
Fehlsteuerungen hatten in den vier Jahrzehnten der Deutschen Demokratischen
Republik zur Folge, dass nicht nur die Bestandspflege vernachlässigt,
sondern notwendige Neubauten nicht errichtet wurden und ganze Stadtviertel
dem Verfall preisgegeben waren. Daher musste ab 1990 ein ganzes Land neu
auf- und umgebaut werden.
Die Fülle und Vielfalt des Geschaffenen ist so überraschend wie überzeugend.
Die baulichen Aktivitäten entfalteten sich in allen Bereichen des öffentlichen
und privaten Bauens, und so entwickelte sich ein veritables Musterbuch heutiger
Architektur. Es entstanden Bauten für Parlament, Regierung, Justiz und
Verwaltung, für Verkehr, Industrie und Gewerbe. Es gibt neue Museen, Hotels,
Schulen, Universitäten, Bibliotheken, Theater, Rundfunk- und Fernsehanstalten,
Kaufhäuser, Kliniken, Thermal- und Kuranlagen, Kirchen, Klöster und
Synagogen, Anlagen für Messen, Kongresse und Sportveranstaltungen und,
nicht zuletzt, Häuser zum Wohnen, vom Einfamilienhaus bis hin zu ganzen
Siedlungen.
In
ihren besten Beispielen entsprechen die neuen Bauten den avancierten Ideen
heutiger Architektur. Das gilt nicht nur für die Werke der bekannten
großen Namen wie Norman Foster, Herzog & de Meuron, Zaha Hadid,
Peter Kulka, Jean Nouvel, Sauerbruch & Hutton. Die beinahe in allen öffentlichen
Verfahren durchgeführten Wettbewerbe haben auch jungen, bislang unbekannten
Büros eine Chance gegeben und zu faszinierenden Ergebnissen geführt.
In ihren besten Beispielen entsprechen die neuen Bauten den avancierten
Ideen heutiger Architektur. Das gilt nicht nur für die Werke der bekannten
großen Namen wie Norman Foster, Herzog & de Meuron, Zaha Hadid,
Peter Kulka, Jean Nouvel, Sauerbruch & Hutton. Die beinahe in allen öffentlichen
Verfahren durchgeführten Wettbewerbe haben auch jungen, bislang unbekannten
Büros eine Chance gegeben und zu faszinierenden Ergebnissen geführt.
Die wirtschaftliche und demographische Entwicklung in den neuen Bundesländern
hat dazu beigetragen, dass in den letzten Jahren Fragen der Stadtplanung,
des Stadtumbaus- und des Rückbaus immer wichtiger wurden. Dabei wird
deutlich, dass der durch Abwanderung vorgegebene Schrumpfungsvorgang nicht
in erster Linie – und schon gar nicht ausschließlich – Abriss
(im Sinne von ersatzlosem Verlust) bedeuten muss, sondern im Hinblick auf
mehr Lebensqualität mit ganzheitlichen Strategien bewusst gestaltet
werden kann. Ausführlicher werden die städtebaulichen Entwicklungen
in Leinefelde, Hoyerswerda, Leipzig, Halle, Greifswald und Cottbus vorgestellt.
Ein Schwerpunkt liegt bei allen Beispielen auf der Umgestaltung bzw. dem
intelligenten Rückbau von Plattenbausiedlungen. Doch stehen diesem zentralen
Thema Aspekte der Altstadterneuerung, der Neubelebung von Gründerzeitvierteln
und der Konversion ehemaliger Militärareale kaum nach.
Neben
dem Stadtumbau geht es aber auch um das Thema des großräumigen
Landschaftsumbaus in Tagebaugebieten wie der Lausitz und dem Leipziger Süden – Dessau/Bitterfeld/Wolfen
- , welche die Dimensionen gewöhnlicher Freiflächenplanungen weit
hinter sich lassen. Begleitend zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher
Katalog bei E.A.Seemann in Leipzig mit vertiefenden Essays von Antje Heuer
und Stefan Rettich, Ernst A. Busche, Oliver G. Hamm, Jürgen Tietz, Michael
Bräuer. Der Katalog ist zweisprachig dt./ engl. und umfasst 300 Seiten
und 600 farbige und s/w Abbildungen. Er kostet im DAM 29,90 € (Softcover-Version)
und 34,90 € (Hardcover-Version) im Buchhandel.
Sehr reizvoll ist der Vergleich
mit der parallelen Ausstellung "Young Americans. Neue Architektur
in den USA". Viel hat man nicht gehört in letzter Zeit über
die Architektur in den Vereinigten Staaten. Nach Peter Eisenman, Richard
Meier, Robert Venturi und Philip Johnson kam lange nichts. In den USA,
dem Land mit den größten "Architekturfabriken" der
Welt, deren Büros weltweit ein kommerzialisiertes Bauwesen erfolgreich
vermarkten, hat sich eine junge Szene von Baukünstlern etabliert.
Ebenso international besetzt wie tätig, bedienen sie eine Klientel,
die das „Individuelle“ sucht. Hierbei spielt auch das wieder
erstarkte Bewusstsein der amerikanischen Städte eine entscheidende
Rolle, die in ihrer derzeitigen Gestalt einer dringenden Überformung
bedürfen, um sich den neuen Anforderungen der Lebenswelt des 21. Jahrhunderts
anzupassen.
Der virtuose Umgang der jungen Architekten mit Formen und Materialien sowie
mit Analogien und Bezügen zur Umgebung ist bemerkenswert. So zeigt die
Bandbreite der hier vorgestellten Projekte, dass die Forderung nach einem
einzigartigen gestalterischen Ausdruck nicht nur beim Entwurf für neue
Gebäude zum tragen kommt, sondern auch für Umbau, Anbau und Ausbau
von Wohngebäuden, Büros und Läden gefordert wird, im Möbelentwurf
ebenso wie bei der Entwicklung und Gestaltung von Außenräumen
und künstlerischen Objekten bis hin zum Corporate Design eines Auftraggebers.
Die USA hat als klassisches Einwanderungsland eine kosmopolitische Tradition.
Die hier vorgestellten Projekte zeigen, wie es möglich wird, aus dem Zusammentreffen
verschiedener Kulturen in einem Land gerade diese Vielfalt zu erzeugen, die
das Spezifische – fast möchte man sagen "traditionalistische"
im Sinne von Johnson – weiterentwickeln und damit auch bewahren kann.
Denn es sind sowohl Einflüsse der traditionsreichen Architekturschulen
und der Architekturgeschichte der jeweiligen Region, als auch aus dem Kontext
der
Bauaufgabe in den Arbeiten der jungen Büros zu erkennen. Dabei wird die
Suche nach dem gemeinsamen "Stil" ein vergebliches Bemühen
bleiben. Vielmehr zeigen die komplexen Bauaufgaben und unterschiedlichsten
Projekte eine Vielfalt und neue Lust am Entdecken der Möglichkeiten unserer
Zeit.
Zur Ausstellung erscheint ein Begleitbuch: Young Americans. Neue Architektur
in den USA, hrsg. v. Beate Engelhorn, erschienen bei DOM Publishers, 39,90 € (Softcover-Version).
» zurück
» zur Deutschen Architektur Museum
Frankfurt