Geist der Freiheit - Schönheit der BücherGeist der Freiheit – Schönheit der Bücher

Der Verlag Hermann Schmidt Mainz von der Nachkriegszeit bis heute. Ausstellung in der Wissenschaftlichen Stadtbibliothek Mainz, 25. Mai bis 18. Oktober 2007

Schrift ist das sichtbare Abbild der Sprache. Sie formt Buchstaben zu Wörtern und Wörter zu Botschaften. In der Musik kann die Qualität eines einzigen Sängers den Gesamteindruck der Komposition völlig verändern. In der visuellen Kommunikation entspricht die Schrift der hörbaren Stimme: durch sie berührt der Autor den Leser. Natürlich kann Schrift mehr als nur Botschaften lesbar machen. Die Form der Zeichen selbst färbt buchstäblich die Botschaft und kann sie sogar auf den Kopf stellen. Manche Schriftarten sind so sehr mit Bedeutung aufgeladen, dass schon ihre Verwendung mit sozialen Gruppen assoziiert wird. So werden gebrochene Schriften in den USA mit Streetgangs, in Deutschland mit rechtsextremen Gruppen in Verbindung gebracht. Wer Luxus und royales Gepränge suggerieren möchte, greift zu edlen Schreibschriften. Darüberhinaus kann die Wahl einer Schriftart Leidenschaft und Persönlichkeit vermitteln: Spitze Ecken und fette Schriftschnitte rufen nach düsteren Gefühlen, anmutige und feingliedrige Zeichen hingegen stimmen uns heiter. Ungeachtet des wachsenden Interesses und Bedarfs an neuen Schriftentwürfen befassen sich überraschend wenige Bücher mit den generellen Fragen des Schriftentwurfs.

Geist der Freiheit - Schönheit der BücherDer Verlag Hermann Schmidt Mainz schließt diese Lücke. Kein anderer Verlag ist außerdem so sehr mit der Geschichte der Stadt Mainz verbunden wie der Hermann Schmidt Verlag. In den Nachkriegsjahren erschienen hier zahlreiche Publikationen zur Geschichte und zum kulturellen Leben in Mainz und in Rheinland-Pfalz. In seinen Wurzeln geht das Haus auf die 1945 gegründete Universitätsdruckerei H. Schmidt zurück, es war im Rahmen des Druckereigeschäfts thematisch immer mit den Interessen des Inhabers verwoben.

Geist der Freiheit - Schönheit der BücherDr. Hanns Krach, der das Unternehmen am 1. April 1945 gründete, war studierter Jurist und veröffentlichte einige juristische Fachpublikationen. Hermann Schmidt, der 1952 in das Unternehmen eintrat und es von 1961 bis 1986 als alleiniger Inhaber führte, widmete sich in seiner verlegerischen Tätigkeit ganz seiner Wahlheimat Mainz. Unter der Leitung des Verlegerehepaars Bertram und Karin Schmidt-Friderichs wurde das Haus dann zum führenden Fachverlag für Typographie und Design. Für die seit Ende der achtziger Jahre herausragend gestalteten und besonders liebevoll hergestellten Bücher zu Typografie, Grafikdesign und Kunst konnten und können die Verleger vielfach nationale und internationale Auszeichnungen entgegen nehmen

Die Ausstellung zeigt die Entwicklung des Verlags von der ersten Druckerei im Nachkriegsmainz über die Ära Hermann Schmidt, als dem Verlag der Ehrentitel "Universitätsdruckerei" verliehen wurde, bis hin zu den Standardwerken zur Buchgestaltung und den mutigen Buchexperimenten der Gegenwart. Zur Ausstellung erscheint ein Booklet "Verlag Hermann Schmidt – Geschichte und Geschichten".

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