Rebecca Horn: Jupiter im Oktogon
Ausstellung im Museum Wiesbaden anlässlich der Verleihung des Alexej
von Jawlensky-Preises 2007 der Landeshauptstadt Wiesbaden, 18. März
bis 2. September 2007
Am 17. März 2007 wurde Rebecca Horn im Rathaus Wiesbaden der Alexej
von Jawlensky-Preis der Hessischen Landeshauptstadt verliehen. Die Ausstellung
mit Installationen, Zeichnungen und Filmen der Künstlerin wurde eigens
für die Räume des Museums konzipiert. Für das Eingangsoktogon
des Museums entwickelte Rebecca Horn die Installation "Jupiter im Oktogon",
die auch nach Ende der Ausstellung dort dauerhaft verbleiben wird.
Rebecca Horn gehört zu den herausragenden Protagonistinnen der neuen künstlerischen
Entwicklungen, die seit den 1960er Jahren in Europa und Amerika traditionelle
Vorstellungen vom Wesen der bildenden Kunst in Frage stellten. In den Zentren
von Düsseldorf und New York, Paris und London, Mailand und Amsterdam wurden
damals unter Rückbesinnung auf die Strategien der Dadaisten und des Surrealismus
neue und radikale künstlerische Ausdrucksformen erprobt, die in der Öffentlichkeit
Aufsehen erregten und zu Irritation und Verunsicherung des Publikums beitrugen.
Kunsthistorische Weihe erhielt diese Kunst, als sie durch Harald Szeemann auf
der fünften Kasseler documenta vorgestellt wurde. Zu deren Überraschungen
gehörten auch die spektakulären Körperperformances von Rebecca
Horn, die damals – im Anschluss an eine langwierige Phase der Rekonvaleszenz – gerade
erst damit begonnen hatte, ihre eigene Formensprache zu entwickeln.
Seither hat sie ein grandioses
Oeuvre mit unverwechselbaren Bildwelten entwickelt, dessen latente Verbindung
zu künstlerischen Strömungen wie Performance und Arte Povera, Fluxus
und Konzeptkunst dazu geführt haben, dass der Name Rebecca Horn in einem
Atemzug genannt wird mit Künstlern wie Joseph Beuys, Jannis Kounellis,
Mario Merz oder Bruce Nauman.
Lotete
Rebecca Horn in ihren ersten Performances, den Körper-Extensionen, zunächst
das Gleichgewicht zwischen Mensch und Raum aus, ersetzte sie den menschlichen
Körper später durch minimalistisch agierende kinetische Skulpturen,
deren Metaphorik den Betrachter zum Assoziieren mythischer Bilder und zur
Herstellung vielfältiger kulturgeschichtlicher, literarischer und geistiger
Bezüge einlädt. In jüngster Zeit weiten sich ihre raumgreifenden
Arbeiten ins Kosmische. Auf dem Weg zur Überschreitung der Grenzen von
Raum und Zeit spannt Rebecca Horn in ihren neueren Arbeiten das Energiefeld
vorgegebener Räume durch Spiegelreflexe, Licht und Musik auf.
Die Ausstellung im Museum Wiesbaden ist die erste Einzelausstellung von
Rebecca Horn im Bundesland Hessen. Das in enger Zusammenarbeit mit ihr entwickelte
Konzept konzentriert sich auf eine verdichtete Auswahl exemplarischer Installationen
aus den Jahren 1982 - 2006, ergänzt um einen Überblick ihrer Filme
sowie um einen Zyklus neuer großer Zeichnungen – der Bodylandscapes.
Der Rundgang beginnt mit der "Pfauenmaschine", einer Arbeit, die Rebecca
Horn im Jahre 1982 für die siebte Kasseler documenta realisierte und
die seither selten gezeigt worden ist. In vier weiteren Sälen zeigt
Rebecca Horn kinetische Skulpturen, Installationen und Zeichnungen aus der
Zeit seit Mitte der 1990er Jahre, darunter den "Kafka Zyklus" (1994),
"Circle for Broken Landscape" (1997), "Der Zwilling des Raben"
(1997), "Tailleur du Coeur" (1998), "Vol du nuit –
Saint-Exupéry" (2000), "The Burning Bush" (2001), "Heartshadows
for Pessoa" (2002), "Fuchs im Saturn" (2004) und "Der
Sonnenseufzer" (2006).
Der sechste Saal ist einem Zyklus neuer Zeichnungen aus der Serie der Bodylandscapes
gewidmet. Diese Blätter entstehen unter Einsatz des ganzen Körpers.
Irdische und kosmische Landschaften werden darauf zu Projektionsflächen
für Erinnerungen und Visionen, Empfindungen und Naturerlebnissen.
Schon in den 1970er Jahren wurde – im Anschluss an die Performance – der
Film für Rebecca Horn zu einem weiteren bedeutenden Medium der Darstellung. Während
der Ausstellung werden im Vortragssaal des Museums die Filme "Der Eintänzer"
(1978), "La Ferdinanda, Sonate für eine Medici-Villa" (1981) und
"Buster's Bedroom" (1990) gezeigt, ergänzt um Dokumentationen
von Performances mit Körperskulpturen der 1970er Jahre.
Eigens für das Eingangsoktogon des Wiesbadener Museums entworfen hat
Rebecca Horn die Installation Jupiter im Oktogon. In dieser Arbeit wird die
der Aachener Pfalzkapelle nachempfundene Historismus-Architektur des Museumsraumes
durch ein verwirrendes Spiel von Spiegeln aufgenommen und transformiert.
Der zentrale, wie eine Wasserfläche schwankende Spiegel über dem
Marmorboden des oktogonalen Raumes gibt nicht nur das Mosaik der goldenen
Kuppel wieder, sondern reflektiert gleichzeitig zwei weitere Spiegel in luftiger
Höhe, von denen der kleinere als Planet seine Bahn um den größeren
zieht. Gleichzeitig erstrahlen die Wände des goldenen Raumes in reflektierendem
Licht. Die gegenseitige Reflexion der Spiegel ins Unendliche erzeugt ein
kaleidoskopartiges Vexierspiel, an dem der Betrachter nicht nur dadurch teilnimmt,
dass er die Installation zum Leben erweckt, sondern auch dadurch, dass er
selber, in den trügerischen Abgrund des Bodenspiegels blickend, Teil
einer sich scheinbar entgrenzenden Architektur wird, deren ursprüngliche
Düsternis im Geheimnis des Lichts ungeahnte Energien verströmt.
Die 12 m hohe Installation wird nach Ende der Ausstellung als Dauerinstallation
im Rund des erst vor kurzem restaurierten Wiesbadener Oktogons verbleiben.
» zurück
» zum Museum
Wiesbaden