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Picasso: Das Antlitz des FriedensVier graphische Zyklen, Ausstellung Historisches Museum Hanau – Schloss Philippsruhe, 18. März bis 6. Mai 2007 Fünfzig französische Francs war ein Bild aus dem Frühwerk Picassos vor dem Ersten Weltkrieg wert. Im Modehaus seiner großen Bewunderin Coco Chanel, die beim Anblick seiner Arbeiten stets ehrfürchtig gezittert haben soll, hätte man für diese Summe wahrscheinlich schon damals nicht mehr als einen schönen Reißverschluss bekommen. 50 Jahre später ist alles ganz anders: Unter den zehn teuersten Gemälden der Welt befinden sich aktuell drei Picassos, allen voran der "Junge mit Pfeife" - ein rund 1800 Quadratzentimeter großes Tableau aus seiner Rosa Periode. Für 104,2 Millionen US-Dollar kam das Ölgemälde 2004 unter den Hammer und muss sich in Sachen Marktwert nur Klimts „Adele Bloch-Bauer l" geschlagen geben, das rund 30 Millionen mehr einbrachte. Etwa 1900 Gemälde, 3200 Keramiken, 7000 Zeichnungen, 1200 Skulpturen und 30000 Grafiken hinterließ einer der großen Wegbereiter aller modernen Kunst, damals 91 Jahre alt, nach seinem Tod 1973. Bei allen Streitereien über eine objektive Bewertung von Kunst wäre es ungerecht, das kreative Genie Picassos allein an Zahlen fest zu machen, obwohl diese in der Beschreibung seines Oeuvres nicht unwesentlich sind. Natürlich geht es heute um Superlative und Events, wenn der Name Picasso fällt, gerade was sein Jubiläumsjahr 2006 betrifft, in dem die weltweite Kunstgemeinde seinen 125. Geburtstag mit opulenten Ausstellungen feiert, unter anderem in Berlin, Paris, Wien und seiner Geburtsstadt Mälaga. Im Hanauer Schloss Philippsruhe ist ab März die Werkschau "Antlitz des Friedens" zu bewundern, die speziell die Vielfalt Picassos grafischen Werks in den Fokus rückt.
Auch Picasso brach mit den akademischen Regeln, die die Malerei seit der Renaissance beherrscht hatten, schloss sich nie im Elfenbeinturm der Hochkultur ein. Spätestens seit dem programmatischen "Les Demoiselles d'Avignon" setzte er Figuren aus geometrischen Flächen zusammen, entledigt sich farblichen Gefühlsduseleien, der Zentralperspektive und aller Illusion von Raumtiefe – ein Konzept, das schließlich in seinem unverkennbaren Kubismus münden sollte. Kubistische Dissoziation, Figuration und kindliche Symbolik bilden die drei Fundamente seiner Formensprache.
Ein wesentliches Element in Picassos vielgestaltigem künstlerischen Werk war die Zeichnung, die als eigenständiges Bild oder als Vorzeichnung meist der Druckgrafik, dem Gemälde und der Plastik vorausgegangen war und oft akribisch genau datiert ist. So auch die Bildserie "Raucher" von 1964, die aufgrund der aktuellen Diskussion um Rauchverbote unerwartete Aktualität erfährt. Der ewige Eros ist ein Thema in Picassos Werk. Erotische Motive, die beosnders ab den 1960er Jahren zunehmen, sind einmal Ausdruck des Aufbegehrens und des Tabubruchs dieser Zeit, aber auch die Auseinandersetzung des alternden Künstlers mit objektiv schwindender Vitalität. Die Fülle seiner Werke, die allein in den letzten fünf Jahren entstanden, sind Zeugnis eines schöpferischen Geistes, der ein Malen und Zeichnen gegen den Tod betrieb. Ein umfassendes Rahmenprogramm mit Führungen und Kinder-Workshops bringen dem Hanauer Publikum das Leben und Werk Picassos im Schloss näher. |
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