Sophie von La Roche: Andenkensammlung

Sophie von La Roche zum 200. Todestag

Kabinettausstellung im Freien Deutschen Hochstift – Frankfurter Goethe-Museum, 18. Februar bis 6. Mai 2007

Sophie von La Roche, geb. Gutermann von Gutershofen, ist die erste deutsche Schriftstellerin von europäischem Rang. Als sie am 18. Februar 1807 im damals hohen Alter von sechsundsiebzig Jahren starb, hinterließ sie ein umfangreiches und vielseitiges Werk. Nach dem großen Erfolg ihres ersten Romans, der ›Geschichte des Fräuleins von Sternheim‹ (1771), wirkte sie auch mit ihrem übrigen literarischen Schaffen, das bis in die letzten Lebensjahre reichte, bedeutend auf das deutsche Kulturleben ein. Ihre Schriften zogen dabei vor allem Leserinnen in den Bann. Auch vermochte es Sophie von La Roche, die eigene Familie mit ihrem Schreiben finanziell zu unterstützen.

Sophie von La Roche: Mein Schreibetisch, 1799Die Ausstellung im Frankfurter Goethe-Museum, die auf den umfangreichen, zum Teil noch unveröffentlichten La Roche-Bestand des Hauses zurückgreifen kann, zeichnet das bewegte Leben der Autorin von ihren Kinderjahren an nach und stellt, eingebettet in den Kontext des 18. Jahrhunderts, ihr spannungsreiches Schaffen vor. Dabei wird nicht nur Sophie von La Roches Verhältnis zu Christoph Martin Wieland, dem jungen Goethe und zu ihren Enkelkindern Sophie, Clemens und Bettine Brentano anschaulich dokumentiert, sondern vor allem das breite Spektrum ihres eigenen umfangreichen Œuvres beleuchtet.

Im Anschluß an zeitgenössische philosophische, pädagogische und literarische Konzepte sind es insbesondere Fragen der Mädchenerziehung, die den Handlungsverlauf und die Sujets ihrer Texte bestimmen: Nicht »was teutsche Männer uns nützlich und gefällig achten«, sondern »was ich als Frau dafür halte« (so das Programm ihrer Frauenzeitschrift ›Pomona für Teutschlands Töchter‹), ist für Sophie von La Roche zeitlebens das große Thema. Darüber hinaus verarbeitet sie einschneidende persönliche und historische Ereignisse in ihrem Werk ebenso wie ihre ausgedehnten Reisen in die europäischen Nachbarländer. Aus diesen bringt sie umfangreiche Reisetagebücher mit, die – wie der späte Amerika-Roman ›Erscheinungen am See Oneida‹ (1798) – ihre Offenheit für fremde Kulturen und Lebensweisen eindrucksvoll dokumentieren.

Sophie von La Roche: Erscheinungen am See Oneida, 1798Die Schau erschließt eine Fülle von Materialien, die in der Literatur zu Sophie von La Roche bislang keine Beachtung gefunden haben und die Bild und Selbstverständnis der Autorin um einige Aspekte ergänzen. So werden z.B. Exponate aus Sophie von La Roches Andenkensammlung zu sehen sein, die sich aus einer Reihe von Souvenirs und diversen exotischen Naturalien zusammensetzt. Zudem zeigt die Ausstellung neben zahlreichen Erstausgaben und unveröffentlichten Briefen Georg Michael Frank von La Roches eigenhändiges Manuskript zu seinen ›Briefen über das Mönchswesen‹ (1771), die schließlich seinen Sturz als Kurtrierischen Kanzler herbeiführten.

Begleitend zur Ausstellung erscheint der zweite Band der neuen Reihe des Hochstifts, die sich mit Frauengestalten der Goethezeit befaßt und 2006 mit einer Darstellung zu Karoline von Günderrode eröffnet worden ist. Der Band enthält neben einem Katalogteil und zahlreichen farbigen Abbildungen eine einführende Monographie in Sophie von La Roches Leben und Werk und stellt zudem einen bislang nicht identifizierten Briefpartner der Autorin vor (144 S.).

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