Cranach: Magdalenenaltar, Detail: Christus in der Vorhölle, 1525/30

Cranach im Exil

Aschaffenburg um 1540. Zuflucht – Schatzkammer – Residenz. Ausstellung Schloss Johannisburg, Kunsthalle Jesuitenkirche, Stift St. Peter und Alexander, Aschaffenburg, 24. Februar bis 3. Juni 2007

Lucas Cranach d. Ä. (1472-1553) zählt zweifellos zu den bedeutendsten und wirkungsvollsten Renaissancekünstlern. Er lebte in einer spannungsreichen Zeit, im Zentrum des politischen und ideellen Streits zwischen Kaiser, Kirche und Martin Luther. Sein größter Auftraggeber war der katholische Kardinal, Erzbischof von Mainz und Magdeburg, Kurfürst und Reichserzkanzler Albrecht von Brandenburg, der mächtigste Kirchenfürst des Abendlandes. Er ließ bei Cranach den größten Gemäldezyklus der deutschen Kunstgeschichte fertigen – die Ausgestaltung der neuen Stiftskirche in Halle. 1541 musste Albrecht bei seiner Flucht vor der Reformation Halle verlassen. Dabei verbrachte er viele der Kunstwerke aus der Stiftskirche zu Halle ins "Exil" nach Aschaffenburg, wo sie sich heute noch befinden.

Cranach: Lucretia, 1526/37Von den Altären aus Halle sind größtenteils nur Fragmente erhalten. Eine Ausnahme bildet der Magdalenen-Altar, der über zwei Jahrhunderte an verschiedenen Stellen verstreut nun erstmals wieder zusammengeführt werden konnte. Nach umfangreicher Restaurierung erstrahlt er als einer der gr ößten Altäre des Stifts zu Halle in neuem Glanz.

Herzstück der Ausstellung "Cranach im Exil" ist die Präsentation der noch erhaltenen Altäre und Altartafeln in der Kunsthalle Jesuitenkirche mit dem Magdalenen-Altar als Prunkstück. Die Inszenierung der Kunstwerke aus der Cranach-Werkstatt vermittelt einen Eindruck von der Prachtentfaltung der Stiftskirche zu Halle in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts.

Gleichzeitig wird in den Räumen der Staatsgalerie im Schloss Johannisburg der historische Hintergrund beleuchtet. Hier werden der „katholische“ und der „protestantische“ Cranach einander gegenüber gestellt. Ergänzt wird dieses Thema durch frühe Bibelübersetzungen, die Lutherbriefe an Albrecht und polemische Schriften der Reformatoren und ihrer Gegner, die die gewaltige Wirkung des damals neuen Mediums der Druckkunst beleuchten: der erste Medienkrieg der Geschichte. Zugleich wird Cranach als erfolgreicher Unternehmer präsentiert.

Stiftskirche Halle, Rekonstruktion CADIm Stift St. Peter und Alexander (Stiftsmuseum und Stiftsbasilika) stehen die Person Albrechts und seine Beziehung zu Aschaffenburg im Mittelpunkt. In der Stiftskirche befindet sich das prachtvolle Grabmal, das Albrecht für sich in Halle hat fertigen lassen und das er mit nach Aschaffenburg brachte. An keinem anderen Ort haben sich so viele Zeugnisse zum Leben Albrechts erhalten wie in Aschaffenburg. Dazu zählen unter anderem das Hallesche Heiltum und der umfassend restaurierte Margarethenschrein. Erstmals wird als Ergebnis jüngster Forschungen im Stiftsmuseum eine Rekonstruktion des Heilig-Grabs mit dem einzig noch erhaltenen Bauteil und Matthias Grünewalds "Beweinung Christi" zu sehen sein.

Veranstaltet von der Stadt Aschaffenburg und der Katholischen Kirchenstiftung St. Peter und Alexander, in Zusammenarbeit mit den Bayerischen Staatsgemä ldesammlungen, dem Haus der Bayerischen Geschichte und der staatlichen Verwaltung der Bayerischen Schlösser, Gärten und Seen, unter der Schirmherrschaft von S.E. Karl Kardinal Lehmann, Bischof von Mainz und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, und Dr. Thomas Goppel, Bayerischer Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst. Der Katalog, hg. von Gerhard Ermischer und Andreas Tacke, mit 400 S. und 230 Farbabbildungen, ist im Verlag Schnell & Steiner erschienen und kostet in der Ausstellung 19,- €.

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