Martin Elsaesser: Großmartkthalle, Foto: Thomas Schroth

Vor ihrer Überformung…

Die Großmarkthalle Frankfurt a.M. Fotografien von Thomas Schroth, Ausstellung WerkbundForum Frankfurt, 9. Februar bis 9. März 2007

Die Frankfurter Großmarkthalle von Martin Elsaesser wird zum neuen Hauptsitz der Europäischen Zentralbank umgebaut, im Frühjahr 2008 soll Baubeginn sein. Der Entwurf des Wiener Büros Coop Himmelb(l)au sieht ein Hochhaus als markantes Zeichen im Ostend vor, in die Halle selbst wird eine weitere Halle als Kongresszentrum gesetzt. Besondere Aufmerksamkeit findet ein Querriegel, der die Halle durchschneiden und das Pressezentrum aufnehmen soll. Grund genug, einmal den seit 1984 denkmalgeschützten Bestand näher anzusehen. Er beeindruckt noch immer, einmal durch die schiere Größe von 220 m Länge, 50 m Breite und einer Höhe von 17 bis 23 m, aber auch durch den Willen zur Monumentalität in der Gestaltung, die noch einmal die Dimensionen zu vergrößern scheint. Lange Zeit war die Großmarkthalle der größte Gebäudekomplex der Stadt, und zu ihrer Zeit war sie technisch höchst innovativ und das weiteste massive Flächentragwerk in Schalenbauweise, wobei die tonnengewölbten Betonschalen nur 7 cm dick sind.

Martin Elsaesser: Großmartkthalle, Foto: Thomas SchrothSeit Jahren dokumentiert der Wiesbadener Fotograf Thomas Schroth die Großmarkthalle, die er schon mit 15 Jahren sah, als er seinen Onkel, einen Gemüsebauern aus Griesheim, dorthin begleitete. Noch bevor 2004 der Betrieb in das neue und viel größere "Frischezentrum Frankfurt " umgezogen und Elsassers Halle funktionslos war, begann Schroth seine fotografischen Studien in der von den Frankfurtern liebevoll "Gemieskerch" genannten Halle. Das differenzierte Relief des Äußeren, der eindrucksvolle Innenraum mit fast sakraler Wirkung, der nie ganz in den Blick zu bekommen ist, architektonische und technische Details sind zu sehen, neben dokumentarischen Fotos auch solche, die fast eine morbide Stimmung zaubern. Daneben wird der Marktbetrieb wieder lebendig: sattes Gelb von Bananen, frisches Rot von Tomaten, die Zwiebeln meint man fast riechen zu k önnen.

Martin Elsaesser: Großmartkthalle, Foto: Thomas SchrothDer 1965 in Darmstadt geborene Thomas Schroth war zunächst Baustoffprüfer, bevor er in Mainz an der Akademie Bildende Kunst und an der Universität Geographie studierte. 1997 erhielt er den Architektupreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft im BDI, seit 1999 lebt und arbeitet er als freier Künstler in Wiesbaden.

Begleitprogramm zur Ausstellung:

"Schöpferische Denkmalpflege? Vom Umgang mit einem Bauwerk der klassischen Moderne – die Großmarkthalle in Frankfurt am Main", Vortrag und Gesprächsrunde mit Dr. Dieter Bartetzko, Kulturredakteur der F.A.Z., anschließend Filmvorführung "Großmarkthalle Frankfurt a.M. – Bau und Betrieb" (1928), Freitag, 23. Februar, 19 Uhr.

"Shopping Mall und Quartier. Alltägliches Leben, soziale Kämpfe und Konsum im postfordistischen Städtischen", Vortrag und Gesprächsrunde mit Dr. Ellen Bareis, Soziologin, Frankfurt a.M.

WerkbundForum, Ernst-May-Platz, Inheidener Straße 2, 60385 Frankfurt am Main

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