Anthropométrie

Yves Klein in Frankfurt und Wiesbaden

Schirn Kunsthalle Frankfurt, 18. September 2004 - 9. Januar 2005, Museum Wiesbaden, 7. Oktober - 13. März 2005

Gleich zwei Ausstellungen widmen sich zur Zeit dem Werk von Yves Klein (1928–1962), der heute zu den wichtigsten und originärsten Künstlern des 20. Jahrhunderts zählt. Sein in nur sieben Jahren entstandenes, vielfältiges Œuvre nahm zahlreiche Tendenzen wie Happening und Performance, Land- und Body-Art sowie Elemente der Konzeptkunst vorweg und beeinflusst die Kunst bis heute nachhaltig. Seine vielschichtige Persönlichkeit, die zwischen extremer Konzentration und völliger Grenzenlosigkeit changierte, spiegelt sich auch in seinem Werk, für das Monochromie und Figuration oder Spiritualität und Theatralik keine Gegensätze bilden. Vielmehr dienen sie Kleins übergeordnetem Ziel: dem Erfassen des Lebens mit den Mitteln der Kunst. Die Retrospektive zeigt Hauptwerke aus allen Phasen: die ersten farbigen Monochrome in Orange, Gelb, Grün, Rosa, Schwarz und Weiß, die berühmten blauen Monochrome sowie die Schwammreliefs und -skulpturen, die viel debattierten Anthropometrien, in denen er weibliche Modelle als ”lebende Pinsel” einsetzte, die ”Monogolds” sowie seine letzten Experimente mit Feuer und Elementen der Natur. Die über 100 Werke kommen aus internationalen Museen wie dem Centre Pompidou in Paris, dem Stedelijk Museum Amsterdam, der Fondación del Museo Guggenheim Bilbao, der Menil Collection in Houston sowie zahlreichen privaten Sammlungen.

Olivier Berggruen und Ingrid Pfeiffer, Kuratoren der Ausstellung: „Kleins berühmtes Foto 'Sprung in die Leere', das ihn über einer Straße schwebend zeigt, ist ein Symbol für den Wunsch nach der Aufhebung der Schwerkraft. Darin manifestiert sich Kleins Wille zur Grenzüberschreitung, die sich durch sein gesamtes Werk zieht. Die Ausstellung möchte die ungemeine Vielfalt und den visionären Charakter des als 'Yves, Le Monochrome' in die Geschichte eingegangenen Künstlers vor Augen führen. Einen Aspekt bildet dabei die Beziehung Yves Kleins zu Deutschland, für deren Darstellung zahlreiche Zeitzeugen befragt wurden und für die es gelang, neues und unpubliziertes Material zu sichern.“

Max Hollein, Direktor der Schirn: „Kleins Werk vereint Moderne und Postmoderne und bildet insofern auch die Demarkationslinie zwischen beiden ab: Einerseits verweisen seine Selbstaussagen und sein 'universeller' Anspruch noch auf die moderne Avantgarde von Mondrian bis Malewitsch, andererseits negierte und unterlief Klein schon das klassische Kunstwerk, löste es auf in der Aktion und stilisierte sich als Künstlerpersönlichkeit in einer Weise, die die Strategien Andy Warhols oder Joseph Beuys’ vorwegnahm. Die minutiöse Inszenierung und die Orchestrierung der Rezeption ebenso wie seine Verbindung von Kunst und Wissenschaft machen ihn zu einer heute aktuellen Künstlerpersönlichkeit.“

Stadttheater Gelsenkirchen, Foyer

Die Ausstellung im Museum Wiesbaden (6. Oktober 2004 - 13. März 2005) steht unter dem Titel Wie das Gelsenkirchener Blau auf Yves Klein kam - Zur Geschichte der Zusammenarbeit zwischen Yves Klein und Werner Ruhnau. Anhand von Modellen, Objekten, Fotos, Briefen und originalen Materialien werden Dokumente einer frühen Zusammenarbeit zwischen dem Künstler Yves Klein und dem Architekten Werner Ruhnau präsentiert. Ausgangspunkt dieser Zusammenarbeit, die von 1957 bis 1960 dauerte, waren die Gelsenkirchener Theaterbauten (s. Abbildung), für deren Wände Yves Klein gemeinsam mit Werner Ruhnau riesige blaue Schwammreliefs entwickelte. Als Yves Klein und Werner Ruhnau sich im März 1957 in Paris begegneten, stand Klein noch ganz am Anfang seiner künstlerischen Entwicklung. Drei Jahre später, nach Abschluss des Projekts in Gelsenkirchen, gehörte er zum Zentrum der Pariser Kunstwelt, in seiner Wohnung trafen sich die "Nouveaux Réalistes", er war begehrt und überall gern gesehen. Es muss also einiges geschehen sein in diesen Jahren, die zu großen Teilen durch die Zusammenarbeit zwischen Klein und Ruhnau geprägt waren. Dass diese Zusammenarbeit, die nebenbei bemerkt den einzigen großen öffentlichen Auftrag von Yves Klein zum Thema hatte, bis heute in ihrer Bedeutung kaum untersucht worden ist, erscheint insofern wenig verständlich. Die Ausstellung im Museum Wiesbaden und die dazu erarbeitete ausführliche Dokumentation versuchen nun, diese Lücke wenigstens vom Ansatz her zu schließen. In den angrenzenden Räumen der Kabinett-Ausstellung werden Werke von Peter Roehr, Thomas Bayrle, Blinky Palermo und Jochen Gerz gezeigt.

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