Route der Industriekultur

Noch denken die wenigsten beim Begriff "Frankfurt/Rhein-Main" an das industriekulturelle Erbe der Region. Dabei haben hier Unternehmen von Weltruhm gewirkt und ihre Spuren hinterlassen – und tun es heute noch: Von Aventis/Infraserv auf dem ehemaligen Hoechst-Gelände in Frankfurt, MAN Roland in Offenbach, Heraeus in Hanau, Schott in Mainz über Opel in Rüsselsheim, Dyckerhoff in Wiesbaden bis hin zu den vielen hoch spezialisierten High-Tech-Unternehmen der Region.

Diesen Schatz an lebendigen Zeugnissen des produzierenden Gewerbes samt dazugehöriger Infrastruktur zu bergen, wieder ins Bewusstsein zu bringen und zugänglich zu machen, ist Anliegen des Projektes »Route der Industriekultur Rhein-Main«. Ausflugstouren, Besichtigungen, Führungen und Informationen vor Ort sollen Besucher in die Lage versetzen, regionale Zusammenhänge an konkreten Beispielen zu erleben und zu begreifen. Ziel ist, die Route der Industriekultur als Teil des vielfältigen Kultur- und Freizeitangebots der Region zu etablieren und damit zur Bildung einer stärkeren regionalen Identität beizutragen.

Die Route

  • hilft den Standort Rhein-Main besser zu verstehen und zu positionieren,
  • bietet eine Kommunikationsplattform für einen kreativen Dialog über die Nutzung ehemaliger Industriebauten,
  • wirkt als Vehikel für Stadtentwicklung,
  • verbessert die weichen Standortfaktoren, ähnlich wie der Regionalpark, in den das Projekt eingebettet ist.

Rhein und Main – räumliches Rückgrat der Route

Die Lebensadern Rhein und Main, Strom und Fluss, bilden die zentrale Achse der Route der Industriekultur, an die sich – Nebenflüssen gleich – weitere Routen angliedern können. Von Aschaffenburg am Main bis Bingen am Rhein reicht die Route der Industriekultur Rhein-Main. Sie umfasst 34 Städte und Gemeinden in den drei Bundesländern Rheinland-Pfalz, Hessen und Bayern.

Die »Route« kann als breite, die Flussläufe begleitende Zone aufgefasst werden, in der die überwiegende Zahl industriekultureller Orte angesiedelt ist. Das Band der Industriekultur mit fünf eindeutig ablesbaren und thematisch unterschiedlichen Schwerpunkten umfasst die Städte Mainz, Wiesbaden, Rüsselsheim, Höchst, Frankfurt und Hanau. Mittelfristig soll von hier aus die Route, einem Netzwerk gleich, in die Region hineinwachsen.

Orte der Industriekultur

Über 150 Objekte sind für die Route der Industriekultur im Rahmen zweier Studien identifiziert worden:

  • Fabriken,
  • Stätten der Ver- und Entsorgung, Kraftwerke
  • des Verkehrs,
  • des Wohnens,
  • der Kunst und der Erholung.

Lokale Routen und Andockstellen

Es bestehen einzelne lokale Initiativen von Gemeinden und Unternehmen, eine örtliche Industriekultur zu fördern, lokale Routen der Industriekultur zu konzipieren oder bedeutende Industriebetriebe zugänglich zu machen. Anhand einer Gitterband-Struktur können diese lokalen Routen regional verknüpft werden. Diese Verknüpfungspunkte werden als »Andockstellen« am Fluss bezeichnet.

Die Route entdecken und erleben

In einem ersten Schritt werden die wichtigsten regionalen Bauwerke für einen Routenführer zusammengestellt. Parallel dazu erarbeiten einzelne Kommunen eigene lokale Routenführer. Die einzelnen Stationen wird man dann mit dem Auto, Bus oder dem Fahrrad anfahren können. Ergänzend kommen Schiffsfahrten hinzu sowie die Nutzung von Straßen- und S-Bahnen. Auch alte Bahntrassen in Hafenarealen könnten temporär dafür wieder in Betrieb genommen werden.

Die Industriebauten selbst sollen mit Informationstafeln als Objekte kenntlich und möglichst zugänglich gemacht werden. Bei laufenden bzw. teilweise stillgelegten Industrieanlagen sollen Werksführungen in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Unternehmen entwickelt werden. Hier gibt es z.B. positive Erfahrungen mit den Firmen Infraserv (ehem. Hoechst AG) und der Adam Opel AG.

Potenziale erkennen und nutzen

Ein weiterer Schritt sind zukunftsträchtige Umnutzungen von Gebäuden und Anlagen – so etwa erfolgreich realisiert beim ehemaligen Schlachthof in Offenbach (Umbau und Nutzung als Hotel) oder beim Umbau der ehemaligen Frankfurter Seifenfabrik Mouson in ein Kulturzentrum. Gelungene Beispiele, sogenannte »good practices« aus anderen Regionen, z.B. dem Ruhrgebiet, geben Impulse: Ehemalige Industrieanlagen wurden dort beispielsweise im Bereich Freizeitaktivitäten (von Klettern und Tauchen in ehemaligen Wasserbehältern bis hin zum Skaten) neuen Nutzungen zugeführt.

Bis Ende 2005 stehen für Maßnahmen in beschränktem Umfang Fördermittel der EU, des Planungsverbandes und der an der Route beteiligten Kommunen zur Verfügung. Mittelfristig kann sich das Projekt dann nachhaltig etablieren, wenn die Beteiligten an einem Strang ziehen: Politiker und Verwaltungsfachleute, Planer und Kunsthistoriker, Unternehmer und Vereine, Interessensvertreter und engagierte Einzelne.

Näheres zur Route finden Sie unter www.route-der-industriekultur-rhein-main.de, Informationen zur Einbettung in das EU-Projekt „Nachhaltige und zugängliche Stadtlandschaften“ (Sustainable and Accessible Urban Landscapes) gibt es auf Englisch unter www.saulproject.net.

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