Robert
Walser 1878 - 1956
Ausstellung zum 50. Todestag, Literaturhaus Frankfurt,
2. August bis 17. September 2006
Am 25. Dezember 2006 jährt sich der Todestag des Schweizer Schriftstellers
Robert Walser (1878-1956) zum 50. Mal. Zu Lebzeiten weitgehend verkannt, gilt
er heute als epochale Gestalt in der Literatur des 20. Jahrhunderts: Robert
Walser wird mittlerweile in mehr als 30 Ländern gelesen; sein Werk ist
lebendiger denn je. Das Literaturhaus Frankfurt präsentiert in Kooperation
mit dem Robert Walser-Archiv Zürich und dem Literaturhaus Berlin eine
Ausstellung zu Leben und Werk des Autors. Dazu werden Räume geschaffen,
die den Besuchern ein unmittelbares Empfinden für die prägenden
Erfahrungen in Walsers Leben und Werk vermitteln sollen. Vorgesehen sind fünf
Bereiche: das Büro, das Theater, die Mansarde, der Spaziergang und die
Klinik. Das Zentrum der Ausstellung wird die Installation einer Schatzkammer
bilden, die Walsers Manuskriptwelt birgt.
Als Robert Walser vor 50 Jahren - am Weihnachtstag des Jahres 1956 - auf
einem einsamen Spaziergang im Schnee starb, war nichts unwahrscheinlicher,
als daß sein Werk noch einmal größere Verbreitung und Resonanz
finden würde. Seine letzten 27 Lebensjahre hatte er in psychiatrischen
Kliniken verbracht – als Autor verstummt und als Mensch nahezu vollständig
vergessen.
Und doch trat das Unwahrscheinliche ein: Ab Mitte der 1960er Jahre begann
man sein Werk neu zu entdecken, und es sollte eine Entdeckungsgeschichte besonderer
Art werden. Auch heute, da sein Werk zur Weltliteratur zählt und in mehr
als zwei Dutzend Sprachen vorliegt, ist sie noch nicht abgeschlossen. Denn
Walsers Texte waren vielfach nur in Zeitungen und Zeitschriften erschienen
- das meiste unendlich verstreut, vieles verschollen oder nur durch Zufall
wieder auftauchend. Auch von seiner Biographie, die sich abseits der gesellschaftlichen
Zentren abspielte, haben sich nur äußerst spärliche Zeugnisse
erhalten.
So gehört es
zu Robert Walser, daß ein besonderes Geheimnis um ihn ist und um ihn
bleiben wird. Dies um so mehr, als er in seinen Texten zwar meist von sich
selbst spricht, dabei aber mindestens ebenso viel verhüllt wie offenbart.
Und diese Texte gehören nicht zur erzählenden Literatur im üblichen
Sinn; interessant sind sie nicht wegen ihrer Handlung oder wegen ihrer
Stoffe - darum kümmert sich Walser wenig bis gar nicht. Sein Schreiben
spürt
vielmehr etwas Unscheinbarerem und zugleich Wesentlicherem nach: Wie
sich das Leben als solches anfühlt, in seiner scheinbar banalen Alltäglichkeit
und tiefsten Eigentümlichkeit.
Es bedeutet daher eine besondere Herausforderung, das Leben und Werk eines
solchen Autors zum Gegenstand einer Ausstellung zu machen. Walser schrieb,
wie er selber lächelnd bekannte, „über alles“, doch
entscheidend ist dabei nicht das Was, sondern das Wie. Mit einer säuberlichen
Präsentation archivalischer Dokumente in Vitrinen dürfte das Wesen
dieses Autors deswegen kaum erfahrbar gemacht werden können. Die Ausstellungsmacher
haben sich deswegen entschlossen, einen anderen Weg zu gehen und fünf
R äume zu inszenieren, die für Walsers Leben bedeutsam waren.
Es
bedeutet daher eine besondere Herausforderung, das Leben und Werk eines
solchen Autors zum Gegenstand einer Ausstellung zu machen. Walser schrieb,
wie er
selber lächelnd bekannte, „über alles“, doch entscheidend
ist dabei nicht das Was, sondern das Wie. Mit einer säuberlichen Präsentation
archivalischer Dokumente in Vitrinen dürfte das Wesen dieses Autors deswegen
kaum erfahrbar gemacht werden können. Die Ausstellungsmacher haben sich
deswegen entschlossen, einen anderen Weg zu gehen und fünf Räume
zu inszenieren, die für Walsers Leben bedeutsam waren. Sein privates Leben
spielte sich dagegen in Mansarden ab. Bis zu seiner psychiatrischen Internierung
führte Walser die Existenz eines möblierten Zimmerherrn. In vielfach
wechselnden Dachstuben entstand ein Großteil seines dichterischen Werks.
Zu seinen großen Passionen zählte daneben das Theater. Seinen
frühen Wunsch, Schauspieler zu werden konnte er zwar nicht realisieren,
doch das Theater blieb für ihn – zumal während seiner Berliner
Jahre – ein fortwährendes Faszinosum. Die Ausstellungsbesucher
können deswegen in einen kleinen Theaterraum eintreten, in dem der Bühnenprospekt
nachgebildet ist, den Robert Walsers Bruder Karl 1905 für die Eröffnungsvorstellung
von Max Reinhardts Deutschem Theater in Berlin schuf.
Am liebsten aber bewegte sich Walser im Freien; er ist der Spaziergänger
in der Welt der Literatur. Der Weg durch die Ausstellung verläuft deswegen
unter Bäumen. Und er endet an einem Raum, der nicht betreten, sondern
in den nur hineingeschaut werden kann: die psychiatrische Klinik, wo Walser
mehr als zwei Jahrzehnte nichts anderes tat als Papiertüten kleben, Schnüre
drehen und H ülsenfrüchte
verlesen.
Das Zentrum der Ausstellung aber bildet eine „Schatzkiste“ – ein
kleiner Vitrinenraum, in dem die Besucher die Welt von Robert Walsers Handschriften
erleben können. Walser war nicht nur ein Schriftkünstler, dessen
Manuskripte allesamt von bezaubernder Anmut sind. Er hat darüber hinaus
auch 526 Blätter hinterlassen, die in der Welt der Dichterhandschriften
einzigartig sind: seine „Mikrogramme“. Eine größere
Anzahl dieser Winzigschrift-Manuskripte, die man lange für unentzifferbar
hielt, sind in der Ausstellung im Original zu sehen.
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