Erinnerung
ohne Dinge? Auf dem Weg zum digitalen Souvenir
Museum für Kommunikation Frankfurt, 29. Juni bis 10. September 2006, in
Kooperation mit dem Museum für Angewandte Kunst Frankfurt und der dortigen
Ausstellung
"Der Souvenir – Erinnerung in Dingen von der Reliquie zum Andenken"
Definiert man Souvenir als Erinnerung in Dingen, dann erscheinen digitale
Souvenirs als ein Widerspruch per se, ein Unding im Wortsinn. Andererseits wächst
unübersehbar die Menge digitalisierter Aufzeichnungen gerade auch im privaten
Bereich. Geräte wie Handy, PDA, Notebook und MP3-Player sind weit verbreitet und
bieten enorme Speichermöglichkeiten bei immer kleiner werdenden Abmessungen. Ihre
große Verbreitung, hohe Mobilität und ihre Multifunktionalität haben
diese Kommunikationsmedien ganz nebenbei auch zu Speichern unserer Erinnerung
gemacht. Das Fotohandy kann Erinnerungswertes überall festhalten und zur Kommunikation
bereitstellen – als digitale Souvenirs.
Die Ausstellung "Erinnerung ohne
Dinge? Auf dem Weg zum digitalen Souvenir", die vom 29. Juni – 10. September
2006 im Museum für Kommunikation Frankfurt zu sehen ist, zeichnet beispielhaft
den Weg von der traditionellen Postkarte zum digitalen Souvenir. Als Kooperation
zur Ausstellung "Der Souvenir – Erinnerung in Dingen von der Reliquie
zum Andenken" im Museum für Angewandte Kunst vollzieht das Museum
für Kommunikation Frankfurt den Schritt in die virtuelle Welt des 21.
Jahrhunderts. Während früher die Correspondenzkarte für kurze
Nachrichten benutzt wurde, greift man heute zunehmend zum Handy und schickt
eine SMS oder MMS. Die Postkarten ließen sich in Kisten oder Alben archivieren.
Was aber geschieht mit der digitalen Datenflut? Schon wenn der Handyspeicher
voll ist, stellt sich die Frage, welche SMS und MMS nur dem flüchtigen
Gebrauch diente und dem „digitalen Vergessen“ überantwortet
werden kann und welche man wie aufbewahren soll.
Zu
den Highlights der Schau gehört eine große digitale Souvenirsammlung,
die aus einem Fotowettbewerb in Zusammenarbeit mit T-Online hervorgegangen
ist. Der international renommierte Medienkünstler George Legrady präsentiert
seine interaktive Installation „Pockets of Memories“. Bei dieser
erstmals in Deutschland gezeigten Arbeit fügen Besucher mittels einer
Scanstation Abbildungen von Erinnerungsobjekten bei, die sie im Alltag mit
sich herumtragen. Diese werden in einer Datenbank zu einer großen Sammlung
digitaler Alltagssouvenirs neu arrangiert und großflächig im Raum
projiziert.
Die Ausstellungen sind entstanden durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit
des Sonderforschungsbereichs Erinnerungskulturen der Universität Gießen,
dem Kunsthistorischen Seminar der Universität Basel sowie dem Museum
für Angewandte Kunst. Die Schirmherrschaft hat der Bundespräsident,
Herr Prof. Dr. Horst Köhler, übernommen. Zur Ausstellung sind
ein Katalog ("Der Souvenir", Wienand-Verlag, 30,- €) sowie
interaktive CD-ROM-Postkarten von Urlaubsorten erhältlich.
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Frankfurt