Nussbaum: Selbstbildnis, 1943 (Detail)

Zeit im Blick

Felix Nussbaum und die Moderne. Jüdisches Museum Frankfurt, 1. Februar bis 23. April 2006

Der 1904 in Osnabrück geborene Maler Felix Nussbaum zählt zu den bekanntesten jüdischen Künstlern seiner Generation. Nach Jahrzehnten der Vergessenheit sind seine Bilder mittlerweile weltberühmt, ein großer Teil seines Werkes ist in dem von Stararchitekt Daniel Libeskind entworfenen Felix-Nussbaum-Haus in Osnabrück zu sehen. Dennoch gilt Felix Nussbaum in der öffentlichen Wahrnehmung vor allem als künstlerischer Dokumentarist der Judenverfolgung, der das Leben im Exil, im Versteck in atmosphärisch dichten Bildern schildert. Seine künstlerische Originalität und die Qualität seiner Malerei wird hierbei oft übersehen. "Seine Bilder fanden zwar Eingang in die Geschichtsbücher, nicht aber in die Kunstgeschichtsschreibung", schrieb der Tagesspiegel treffend.

B. Heisig: Zwei deutsche Maler, 1992 (Detail)Die zum 100. Geburtstag Nussbaums in Osnabrück zusammengestellte Ausstellung möchte dieses Wahrnehmungsdefizit nachhaltig beheben. Durch die Konfrontation seiner Bilder mit Werken prominenter Vorbilder und Zeitgenossen wie Max Beckmann oder Giorgio de Chirico werden einerseits die Einflüsse deutlich, andererseits aber auch Nussbaums individuelle künstlerische Handschrift sichtbar. Die Auseinandersetzung mit den Künstlern der Väter- bzw. Lehrergeneration, etwa Karl Hofer, Oskar Schlemmer oder Ludwig Meidner, und dem Nachklingen des Expressionismus ist in Nussbaums Bildern ebenso zu finden, wie aufschlussreiche Korrespondenzen zu Gleichaltrigen wie Eduard Bargheer oder Edgar Ende.

Nussbaums Bilder der späten 20er und frühen 30er Jahre setzen sich mit zeitgenössischen Tendenzen wie der Neuen Sachlichkeit und dem Magischen Realismus auseinander. Im Gegensatz etwa zu Otto Nagel oder Franz Radziwill, faszinieren ihn auch die rätselhaften Szenarien und die kargen Landschaften der italienischen Pittura Metafisica. So entstehen psychologisch dichte Bilder, manche von düsterer Symbolik geradezu aufgeladen, die wie Vorahnungen drohenden Unheils wirken.

Nussbaum: Der tolle Platz, 1931 (Detail)Gerade hier ist der Vergleich mit den Zeitgenossen außerordentlich aufschlussreich, zeigt er doch, dass sich damals über die Stilgrenzen hinweg die Künstler auf ikonografische "Codes" bezogen haben. So taucht das bei Nussbaum häufige Maskenmotiv zur gleichen Zeit bei vielen in ähnlichen Kontexten auf. Mit Beginn des Krieges, dem Einmarsch der Wehrmacht nach Belgien und der Judenverfolgung in den besetzten Gebieten, sucht Nussbaum intensiv nach universellen, überzeitlichen Bildern für das Grauen. Seine Bildfindungen weisen hier erstaunliche Parallelen zu denen anderer Künstler auf, darunter Pablo Picasso, Käthe Kollwitz oder Hanna Höch.

Wir danken den Kollegen vom Felix-Nussbaum-Haus in Osnabrück, die die Ausstellung konzipiert haben, für die produktive Zusammenarbeit und den zahlreichen Leihgebern für Ihre freundliche Unterstützung.

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