Im Schatten des Kongo/Wilhelm II. und Leo Frobenius
Ausstellungen im Museum der Weltkulturen Frankfurt, 1. Dezember 2005 bis
30. April 2006, und im Museum für Kommunikation Frankfurt, 1. Dezember
2005 bis 15. Januar 2006
Er habe "Afrika die Würde wiedergegeben", urteilte Senegals
Präsident Léopold Sédar Senghor über den Ethnologen
Leo Frobenius, der lange in Frankfurt wirkte. In einer Doppelausstellung
zeigen die beiden Frankfurter Museen Leben und Wirken dieser zwischen Wissenschaft
und Abenteuer schillernden Figur. Von 1904 bis 1906 veranstaltete der Afrikaforscher
seine erste Expedition, die ihn zum Kongo und senem Nebenfluss Kassai führte.
Das Gebiet gehörte damals zum belgischen Kongo-Staat und erstreckt sich heute
über die Demokratische Republik Kongo sowie sowie die Republik Kongo und
Angola. Von dieser Reise brachte Frobenius nicht nur umfangreiches ethnographisches
Material, sondern auch mehr als 100 stereoskopische Glasplatten mit. Die
Glasnegative blieben lange unbeachtet im Archiv und sind nun nach einer aufwendigen
Bearbeitung hundert Jahre nach ihrer Entstehung zum ersten Mal
in Stereo im Museum der Weltkulturen zu betrachten, eine Auswahl davon in
Großformat. Sie zeigen Ansichten des Kongo und seiner Bewohner und bieten
neben einer faszinierenden räumlichen Illusion auch den Nachvollzug
des kolonialen Blickes jener Zeit.
Die umfassendere Ausstellung
im Museum für Kommunikation ist Frobenius'
Rolle als Ethnologe und Wissenschaftsmanager gewidmet. Grundlage der Präsentation
ist der umfangreiche Briefwechsel mit Wilhelm II. im holländischen Exil.
Im Zentrum steht die von Frobenius begründete "Kulturmorphologie",
die auch in die Rede vom "Untergang des Abendlandes" eingegangen
ist. 1925 holten einige Professoren der Universität und die Stadt – unter
dem liberalen Bürgermeister Ludwig Landmann – Frobenius und sein "Forschungsinstitut
für Kulturmorphologie" von München nach Frankfurt. Er bezog das Haus Untermainkai
4, das heutige Traditionshaus der Degussa. Die Stadt kaufte sein Archiv,
und er erhielt – ohne je studiert zu haben – einen Lehrauftrag an der
Johann Wolfgang Goethe-Universität.
Die Ausstellung beleuchtet die Verknüpfung von Politik und
Wissenschaft in der Weimarer Republik und im Dritten Reich und reicht von
Deutschland
und den Niederlanden über Korfu und Afrika bis in die USA. Zudem bietet
sie einen Einblick in die Bandbreite der intellektuellen Positionen der 1920er
und 30er Jahre. Entstanden ist die Ausstellung in Kooperation mit dem Frobenius-Institut
an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt, dem Hessischen
Rundfunk hr 2 Kultur und dem Museum der Weltkulturen
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