Good Bye Bayern - Grüß Gott America
Auswanderung aus Bayern nach Amerika. Schloss Johannisburg, Aschaffenburg,
26. November 2005 bis 19. März 2006
"Das Leben, Geschäft Arbeit und alles was damit zusamenhängt
hier ist es sehr Verschieden von dem in der Alten Heimad." Diese Erfahrung
machten viele Menschen, die Bayern verließen, um ein neues Leben auf
der anderen Seite des Atlantik zu beginnen. Rund ein Viertel der heutigen
Amerikaner haben deutsche Vorfahren. Viele von ihnen kamen aus Bayern und
der Pfalz. Den Spuren der bayerischen Auswanderer folgt die Ausstellung "Good
Bye Bayern – Grüß Gott America. Auswanderung aus Bayern
nach Amerika seit 1683".
Im Zentrum der Ausstellung stehen die Menschen welche Gründe haben
sie, ihre Heimat zu verlassen? Welche Reisewege wählen sie? Wohin
gehen sie? Wie ergeht es ihnen im neuen Land, gelingt es ihnen, dort Fuß zu fassen
oder verliert sich ihre Spur? Welche ihrer Traditionen und Eigenheiten nehmen
sie mit, um sich ein Stück der alten Heimat zu bewahren? Wie wirkt ihr
Weggang in die alte Heimat zurück?
Am 24. Juni 2004 begann diese Ausstellung des Hauses der Bayerischen Geschichte
in der Alten Schranne in Nördlingen. Beinahe 25.000 Besucher konnten
dort bis zum 7. November anhand von 400 Exponaten in 13 Abteilungen die
Geschichte der bayerischen Auswanderung nach Amerika sehen. Aus Schwaben
wurde die Ausstellung anschließend in sechs Containern in den
äußersten Süden des Landes gefahren und im Lokschuppen
Rosenheim am 9. Dezember 2004 wieder eröffnet. Bis zum 6. März
nahmen rund 17.000 Besucher die Gelegenheit wahr, sich mit dem Schicksal
bayerischer Auswanderer in die Vereinigten Staaten zu befassen. nun ist die
Ausstellung am westlichsten Rand des Freistaats zu sehen.
Es erwarten Sie dreizehn Abteilungen mit rund 400 Exponaten aus Deutschland
und den USA, welche die Geschichte der Auswanderung aus Bayern nach Amerika
veranschaulichen. Anhand von Originalstücken, Biografien, Inszenierungen,
Interviews, Musik- und Sprachbeispielen kann man den Spuren der Auswanderer
folgen. Der zeitliche Rahmen spannt sich vom Bronzedenkmal zur Erinnerung
an Franz Daniel Pastorius aus Sommerhausen bei Würzburg, der 1683
Germantown gründete, bis zur Greencard, die heute zur Einwanderung
in die Vereinigten Staaten nötig ist, so dass die Besucher über 300
Jahre gemeinsamer Geschichte erleben können.
Das Besondere an dieser Ausstellung ist die Vielfalt der Exponate: Auswanderer
aus der Gegend des fränkischen Neuendettelsau brachten 1845 ihre Kirchenglocke
mit nach Frankenmuth in Michigan. Sie wurde für die Ausstellung nachgegossen
und wird nun, nach zwei Präsentationen in der Ausstellung "Good
Bye Bayern – Grüß Gott America", auf die weite Reise
nach Tansania gehen. Dorthin wird die Glocke auf Wunsch der Förderer
des Nachgusses, Dr. Horst Becker aus Neuendettelsau und Judy Zehnder Keller
aus Frankenmuth, gespendet. Fidel Schlund aus Immenstadt hatte sich in der
Revolution von 1848 engagiert und wurde von den Behörden überwacht.
Mit der schwarz-rot-goldenen Fahne um seinen Körper geschlungen bestieg
er sein Schiff nach Amerika. Das Original der Fahne kehrte wieder nach Immenstadt
zurück, ist aber seit den 1950er Jahren unauffindbar. Eine Replik ist in
der Ausstellung zu sehen. An die Auswanderer aus der Gegend um das schwäbische
Krumbach, die sich auch als Goldgräber versuchten, erinnern zwei kunstfertige
Blechschilder aus dem Museum der Stadt.
Soldaten aus Ansbach-Bayreuth waren 1776 am Unabhängigkeitskrieg der
Amerikaner gegen England beteiligt; Markgraf Christian Friedrich Carl Alexander,
dessen Porträt in der Ausstellung zu sehen ist, hatte sie gegen gutes
Geld dorthin "verkauft". Ein Drittel der fränkischen Söldner
blieb auch nach Ende des Krieges in Amerika. Aus dem Museum von Oshkosh kommen
die Utensilien, die der Bayer Joseph Arnold als Teilnehmer am amerikanischen
Bürgerkriegs bei sich trug. Seine Feldflasche, eine Pfeife, sein Taschentuch
und ein Rangabzeichen werden in der Ausstellung gezeigt. An die Zeit des
Nationalsozialismus und die Vertreibung und Deportation deutscher Bürgerinnen
und Bürger erinnern zwei Kleidungsstücke von Henry Landman: eine Lederhose,
die er bei seiner Einlieferung in das KZ Dachau anhatte und eine amerikanische
Uniformjacke, die derselbe Henry Landman beim Einmarsch der amerikanischen Truppen
in seine Heimatstadt Augsburg trug. Auf die erzwungene Emigration in die USA
weist der New Yorker Schreibmaschine von Oskar Maria Graf hin.
Den Zweiten Weltkrieg und seine Folgen berücksichtigen "Just-married"-Fotografien
von amerikanischen Soldaten mit ihren deutschen Ehefrauen in der frühen
Nachkriegszeit. Ein Stück Fußboden aus der bekanntesten Einwandererstation
in den Vereinigten Staaten, Ellis Island, verweist auf die ersten Schritte
der Einwanderer in der Neuen Welt. Medizinische Geräte von dort zeigen
eine der Hürden, die die Einwanderer vor der Einreise überwinden
mussten: sie durften keine körperlichen Gebrechen haben. Wer es geschafft
hatte, konnte vielleicht seine ersten Tage im heute noch bestehenden "Leo's
House" in New York verbringen. Geschirr
aus „Leo’s House“ erinnert daran.
Einblick in die Vielfalt der Möglichkeiten
zu einem Neubeginn in den Vereinigten Staaten gibt ein Straßenschild
aus Neu-Braunfels zu Ehren des bayerischen Landvermessers Zink.
Radiergummis aus dem Hause Faber New York und eine Blue Jeans der Firma Levi
Strauss verweisen auf diejenigen Auswanderer, die zu erfolgreichen Unternehmern
wurden. Karikaturen des bayerischen Auswanderers Thomas Nast, des Vaters der
weltberühmten Figur des "Santa Claus" stehen stellvertretend für
viele Werke, die bayerische Künstler, Schriftsteller und Journalisten in ihrer neuen
Heimat schufen. Als Fotograf der amerikanischen Armee arbeitete der Klingenberger
Auswanderer Christian Barthelmeß von den 1870er Jahren bis zu seinem
Tode 1906. Seine Fotografien von Indianern und dem Leben in einem amerikanischen
Fort waren noch nie in Europa zu sehen und werden erstmals in der Ausstellung
in Nördlingen gezeigt. An die vielen Auswanderer, die glücklos waren
oder umkamen, erinnert die Bettstatt der Katharina Hörauf aus Elpersbach
bei Windsbach, von der nach ihrem Weggang aus Bayern nie wieder ein Lebenszeichen kam.
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