Ägypten Griechenland Rom

Ägypten Griechenland Rom

Abwehr und Berührung. Eine Ausstellung des Liebieghauses Museum Alter Plastik im Städelschen Kunstinstitut Frankfurt, 26. November 2005 bis 26. Februar 2006

Erstmals beschäftigt sich eine große Ausstellung mit den wechselseitigen Einflüssen von Hochkulturen der Antike – Ägypten auf der einen, Griechenland und Rom auf der anderen Seite. Fast 400 Leihgaben aus 75 bedeutenden Museen und Sammlungen in der ganzen Welt machen den Austausch zwischen den Kulturen anschaulich. Einige Kunstwerke zählen zu den berühmtesten, die uns erhalten sind. Monumentale Skulpturen und Reliefs, Kleinplastiken aus Bronze und Ton, bemalte Keramik, prunkvolle Kameen und Gemmen sowie Wandmalereien spannen einen weiten zeitlichen Bogen vom 2. Jahrtausend v. Chr. bis in die späte römische Kaiserzeit.

Alexander der Große als Pharao, LiebieghausDie uralten geschichtlichen Traditionen der Ägypter und ihr Kunsthandwerk haben die Griechen bereits im 2. Jahrtausend v. Chr. in ihren Bann gezogen und die Vorstellungswelt der Griechen wesentlich bereichert. Die hochentwickelte ägyptische Bildhauertechnik stieß im 7. Jahrhundert v. Chr. die Ausbildung der Monumentalplastik in Griechenland an.

Auf die griechischen Reisenden des 5. und 4. Jahrhunderts v. Chr., unter ihnen Herodot, der Vater der europäischen Geschichtsschreibung, übten die ihnen fremdartig erscheinenden Bräuche der Ägypter eine besondere Faszination aus. Ägypten hingegen verwahrte sich vehement gegen äußere Einflüsse und öffnete sich erst 332 v. Chr. mit der Eroberung durch Alexander d. Gr. der Kultur Griechenlands. Mehr und mehr setzte sich von nun an auch in Ägypten griechischer und später römischer Einfluß durch und leitete damit den Untergang der traditionellen ägyptischen Kultur ein. In Rom brachte man der ägyptischen Kultur aufgrund ihres hohen Alters und der Verankerung in religiösen Traditionen besondere Bewunderung entgegen. Die Umsetzung ägyptischer Vorbilder in eigene, vertraute Formen hat der ägyptischen Kultur vielerorts in Griechenland und später im Römischen Reich zu großer Verbreitung und Popularität verholfen.

Sphinx, Antikenmuseum BaselDie vielfältigen Folgen dieser Begegnungen unterschiedlicher Kulturen reichen von Toleranz und Bewunderung über die Aneignung fremder Kunstformen, religiöser Bräuche und Traditionen bis hin zu Ablöehnung, Abgrenzung und Verachtung. Somit beschäftigt sich die Ausstellung mit den Kernfragen im Zusammenleben der Völker. Viele sind gleichbleibend aktuell: Wie gehen die Menschen mit dem Fremden um? Setzen sie sich dagegen zur Wehr oder werden sie davon angezogen, und wie verändert die Begegnung die eigene Identität? Welchen Einfluss hat das Kennenlernen fremder Götter und Religionen auf das eigene Weltbild?

Anlass und Mittelpunkt der umfangreichen Ausstellung ist die Statue Alexanders des Großen als Pharao, die das Liebieghaus mit Mitteln Städelschen Museums-Verein erwerben konnte. Die Ausstellung wurde kuratiert von Peter C. Bol, dem Direktor des Liebieghauses Museum Alter Plastik, der demnächst in Ruhestand geht und hier sozusagen seine Abschiedsvorstellung gibt.

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